Das neueste Tschechenauto aus Mlada Boleslav, einem Industriestädtchen nordöstlich von Prag, trägt den eigentümlichen Namen Superb, wird derzeit der Presse vorgestellt und steht ab März bei den Händlern. Der Superb bietet eine Reihe pfiffiger Detaillösungen: etwa ein ausklappbares Kofferraum-Organisationssystem, damit dort nichts mehr herumfliegt. Ein Spezialfach für tropfnasse Regenschirme, ein gekühltes Handschuhfach und eine in die Scheinwerfer integrierte Waschanlage. Dahinter steht, sagt Wilfried Bockelmann, Vorstandsmitglied und Leiter der technischen Entwicklung, die wichtigste Botschaft von Skoda: "Viel Auto fürs Geld."

Das gilt als das Wunder von Mlada Boleslav: Ein Skoda ist heute tatsächlich "viel Auto". Dabei stand die Marke jahrzehntelang für anachronistische Ostblockautos, die im Westen nur schräge Typen fuhren. Die mussten Witze aushalten wie diesen: Warum hat ein Skoda Heckscheibenheizung? Damit man beim Schieben keine kalten Finger bekommt! Doch nachdem Volkswagen sich 1991 beim maroden Staatsbetrieb einkaufte, blühte die Firma auf und kriegte die Kurve. Rund 65 000 Autos verkaufte Skoda im Jahr 2000 nach Deutschland, ein Plus von etwa 20 Prozent. Man überholte die Konzernschwester Seat und ärgerte VW (minus 12 Prozent). Im vergangenen Jahr erzielte Skoda den siebten Rekord in Folge, legte erneut zu (5,7 Prozent). Mit nur zwei Modellreihen.

Wolfsburg ist unendlich weit

Was BMW mit Rover misslang - die Integration einer Marke mit miserablem Image zur Abrundung des Programms -, warum funktionierte es bei Skoda? Wohl deshalb, weil VW radikal mit der geschäftsschädigenden Tradition der Marke brach (nur das Markenzeichen und die Uralt-Modellnamen überlebten). Die neuen Hausherren brachten eine neue Fabrik, neue Technik und neues Design mit. War der erste VW-Skoda, der Felicia, noch erkennbar verwandt mit dem ostigen Favoriten, wurde der Octavia auch optisch völlig neu erfunden - und gleich ein Volltreffer. Chefdesigner Thomas Ingenlath charakterisiert das Auto als "streng, modern, aber nicht modisch, mit harten Flächen und einprägsamem, leicht verschmitztem Gesicht, aber nicht lustig". Eher konservativ also. Ingenlath, früher bei Audi und VW (D1-Projekt) tätig: "Ich habe ja auch noch nie so eine konservative SPD erlebt." Anders gesagt: keine Experimente, keine Sperenzchen, "wir profilieren uns ja erst". Immerhin sind Octavia und Fabia so markant gezeichnet, dass man ihre Familienzugehörigkeit auf Anhieb erkennt. Das gilt besonders für die leicht bullige Schnauze, die beim Fabia zum "Bonsai-Effekt" führt (so klein und schon so ernst!). Sie passt erst recht zum dritten Familienmitglied, zum Superb.

Doch auch der schönste Skoda hätte nur ein "Wir haben's ja gewusst" provoziert, wäre er in den Dauertests der Automobilzeitungen negativ aufgefallen. Eher das Gegenteil geschah: Begeistert bis hämisch berichteten die Testredakteure, die Tschechen stellten sogar Wolfsburg in den Schatten. In 100 000-Kilometer-Dauertests wurde der - zur Golfklasse gehörige - Octavia-Combi besser bewertet als der Passat-Variant. Ein technisch gleichwertiges Auto für erheblich weniger Geld - so lautete immer wieder die Botschaft.

Die viel diskutierte Plattformstrategie, von Piëch durchgesetzt, zeigte hier ihre Stärken. Alle Konzernmitglieder, von Audi über VW und Seat bis Skoda, bedienen sich bei Bodengruppe, Fahrwerk und Antriebsstrang im Konzernregal. Außenhaut und Innenausstattung machen die Töchter selbst. Für den gemeinen Autokäufer verkürzen sich die Zusammenhänge auf die einfache Formel: Skoda ist VW im anderen Kleid und kostet ein paar Tausender weniger.

Zu kurz gedacht, findet der Entwicklungschef. Skoda ist mehr! Zwar nutzen der Fabia die Polo- und der Octavia die Golf-Plattform des Konzerns. Und der Superb ist auf der Passat-Plattform aufgebaut. Doch die tschechischen Autos sind eigenständige Vehikel. So sind sie durchweg ein Stück länger als ihre Plattformbrüder - dank eines verlängerten Bodens. Der größere Radstand schafft Platz auch auf den hinteren Rängen. "Wir reden eher von Baukasten", sagt Bockelmann. "Wir sind die intelligenten Applikateure. Wir holen uns von Audi und VW die guten Sachen aus dem Regal. Wer interessiert sich schon fürs Getriebe, solange es funktioniert?"