Galt der Beat-Generation das Leben des Künstlers schon als Kunstwerk, so schwebt über den Last Words eine Wolke aus Weisheit und Banalem - "die endgültige Comédie humaine". Die Musik von Ulrike Haage dehnt sich vom verschleppten Drum 'n' Bass zu blubbernden Loops als elektronischem Blut, von zerrenden Nervenklangsträngen zum gleichmütigen Klacken eines Windspiels aus Holz. Nie zu viel von allem, eine Gefahr, der man bei einer Burroughs-Collage leicht erliegen könnte. Dazwischen schieben sich wunderbare kleine Songs - von einer naiv zerbrechlichen Stimme namens Bobo gehaucht - bis der böse alte Mann, den Burroughs so sehr in sich pflegt, liebenswerte Risse bekommt. Am 30. Juli findet er zu einem fast zu versöhnlichen Schlusseintrag: "Nichts ist genug. Es gibt kein Ende für Weisheit, Erfahrung - nicht eine verdammte Sache auf der Welt. Keinen heiligen Gral, kein letztes Satori, keine endgültige Lösung. Nur Konflikte. Das einzige, was zur Lösung von Konflikten beitragen kann, ist Liebe." Und dies von William S. Burroughs? Doch es ist nicht das Ende: "Reine Liebe. Das, was ich für meine Katzen empfinde und empfunden habe." Er hat sich nicht an die falschen Menschen verkauft.

* William S. Burroughs/Ulrike Haage/ Barbara Schäfer: Last Words - qui vivre verra

Sans Soleil 6

Pociao's Books, Bonn 2001

1 CD, 66:55 Min., 17,50 e

ISBN 3-88030-039-9