Wer steht auf dem Boden der Tatsachen? Doch nur jene langweiligen Zeitgenossen, deren Fantasie nicht nach Höherem strebt. Die wahren Helden der Menschheit haben schon immer den Kampf gegen die niederdrückende Schwerkraft aufgenommen - so wie Sisyphos, Leonardo da Vinci oder der Schneider von Ulm. Begann nicht die Geschichte des Homo sapiens, als unsere Urahnen vor rund 4,5 Millionen Jahren erstmals der Schwerkraft trotzten und sich auf zwei Beine erhoben? Nun, da wir den aufrechten Gang, das Fliegen zum Mond und das Bungeejumping erfolgreich gemeistert haben, wird es Zeit für die nächste Etappe in der Menschheitsgeschichte: die endgültige Aufhebung der Erdschwere.

Dass die Gravitation hauptsächlich Nachteile mit sich bringt, ist hinlänglich bekannt: Der ewige Drang zum Erdmittelpunkt erschwert das morgendliche Aufstehen, bremst den Straßen-, Luft- und Weltraumverkehr und verleiht uns zu allem Überfluss jene unglückselige Eigenschaft namens Gewicht, die beim Blick auf die Badezimmerwaage Depressionen erzeugt. Doch die Rettung naht: In diversen Labors wird am Sieg über die Schwerkraft gearbeitet - zum Beispiel bei der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa, die in diesen Tagen eine 600 000 Dollar teure Antigravitationsmaschine zu testen beginnt. Da ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Forscher gänzlich abheben.

Die nahende Zeitenwende spüren, wie so oft, vor allem jene, die einen Zugang zur feinstofflichen Welt haben. "Ein Tabu ist zu Ende", verkündet die Zeitschrift Anthroposophie heute, "die Schwerkraft ist nicht mehr, was sie war." Denn das Weltbild unserer Zivilisation "hat sich im September 2001 für immer verändert" - allerdings nicht etwa wegen der Terroranschläge in New York, sondern durch das Erscheinen des Buches The Hunt For Zero Point (Random House). In seiner "Jagd nach dem Nullpunkt" beschreibt Nick Cook die Entdeckung "des größten Geheimnisses seit Erfindung der Atombombe". Der Autor, immerhin Luftfahrtspezialist bei der führenden Militärzeitschrift Jane's Defence Weekly, enthüllt, dass amerikanische Forscher nicht nur an revolutionären Antigravitationstechniken arbeiten, sondern das Geheimnis der Schwerkraft sogar schon entschlüsselt haben. Nur werde die sensationelle Entdeckung, die sowohl das Verkehrswesen wie die Waffentechnik grundlegend verändert, seit Jahren streng geheim gehalten.

Auch Cook erfährt erst durch mysteriöse Umstände davon. Eines Tages stolpert er über ein Zitat des Rüstungsexperten George S. Trimble, Vizepräsident des "G-Projekts" bei Martin Aircrafts. Trimble behauptete schon 1956, die Zähmung der Schwerkraft könne "etwa in derselben Zeit erreicht werden, die zum Bau der Atombombe nötig war". Worauf spielte er damit an?

Cook stürzt sich in die Recherche, die sich zum Spionagethriller auswächst. Da wären zum Beispiel jene Naziwissenschaftler, die im Dienste der SS die Möglichkeit von Antigravitationswaffen und Zeitreisen erforschten. Was wurde aus dem Leiter dieser Rüstungsprojekte, SS-Obergruppenführer Hans Kammler? Für Cook legen viele Indizien nahe, dass Kammler mit seinen Erkenntnissen in die USA flüchtete und sie den dortigen Militärs zur Verfügung stellte. Durchaus vorstellbar, dass Ende der fünfziger Jahre irgendwo in der Weite der amerikanischen Prärie ein geheimes Forschungslabor eingerichtet wurde, das - ähnlich wie das Manhattan-Projekt den Bau der Atombombe - die Beherrschung der Schwerkraft anstrebte.

Hatte diese Anstrengung Erfolg? Ist die Antischwerkrafttechnik vielleicht schon im Einsatz? Bei seinen Recherchen in den Labors der Rüstungsindustrie, auf den Fluren des Pentagon und in den Tunneln ehemaliger Naziforschungsstätten erhärtet sich für Cook dieser Verdacht. Handfeste Beweise kann er zwar nicht liefern, dafür entdeckt der Journalist bei seinen Recherchen etwas anderes: das Gefühl eines großen Geheimnisses, "das ein schwarzes Herz hat". Cook kann regelrecht "die Furcht spüren, die es umklammert".

Und doch ist die Abschirmung nicht lückenlos. Auch dem aufmerksamen Beobachter der wissenschaftlichen Literatur konnte in den vergangenen Jahren nicht entgehen, dass unser Schulbuchwissen vor einer Revolution steht.