Die Geschichte begann wie so oft in Bayern - mit einem Anruf. Erwin Huber, Chef der Staatskanzlei, griff zum Telefon, um Wirtschaftspolitik zu betreiben. Er wollte dem Filmhändler Kirch helfen, Geld für ein großes Geschäft zu beschaffen. Das war ziemlich genau vor einem Jahr. Kirch plante damals, die Vermarktungsgesellschaft der Formel 1 zu kaufen; das Autorennen erschien ihm äußerst gewinnträchtig. Der Besitzer, das angeschlagene Münchner Medienunternehmen EM.TV, brauchte dringend Geld, um eine Pleite zu verhindern. Die Zeit drängte. Staatsminister Huber bekannte später, das Geschäft habe "den Einsatz der Landesregierung notwendig" gemacht. Ohne die Zustimmung des Ministerpräsidenten Edmund Stoiber wird dies kaum geschehen sein. Nachdem mehrere private Banken - unter anderem die HypoVereinsbank - abgewunken hatten, wurde Huber bei der Landesbank vorstellig. Und die ließ sich dazu bewegen, den Kauf zu finanzieren.

Hubers Einflussnahme könnte nun zum Risiko für den Kanzlerkandidaten Stoiber werden. Denn es gibt viele Hinweise, dass Kirch von seinem Schuldenberg in Höhe von 5,5 Milliarden Euro und anderen offenen Rechnungen, die auch in die Milliarden gehen, erdrückt wird. Ginge das Kirch-Imperium zugrunde, würde auch Stoiber Schaden nehmen - schließlich möchte er sich dem Wahlvolk als erfolgreicher Wirtschaftspolitiker präsentieren. Der Ruf könnte dahin sein, müsste er erklären, warum er Steuergeld, das Eigenkapital der Bank, für den Filmhändler Kirch aufs Spiel gesetzt hat.