Wissenschaftliche Daten besorgt sich der Geologe Alexander Binsteiner mit dem Hammer. Er holt aus und haut das Instrument mit brachialer Gewalt auf den Boden. Der Hammerschlag löst Schwingungen im Boden aus, die - ähnlich wie die Wellen nach einem Erdbeben - von bestimmten Schichten im Untergrund abgelenkt, geschluckt oder reflektiert werden. Ein raffiniertes Computerprogramm friemelt die Daten der zurückkommenden Druckwellen auseinander und errechnet daraus ein exaktes Signalement des Erdreichs.

Die Bilder aus dem Untergrund verraten Binsteiner, wie tief sich die ersten Bergwerkler der Steinzeit in den Boden bohrten. Er holt erneut aus, arbeitet sich hämmernd vor, bis er den Acker in der Nähe des niederbayerischen Arnhofen durchquert hat. Binsteiner klopft die Gegend ab, um zusammen mit dem Geophysiker Cord Ernstson der Universität Würzburg ein Tiefenprofil zu bekommen. Das Resultat: Die prähistorischen Mineure mussten sich vor 7000 Jahren an einigen Orten bloß zwei Meter in die Tiefe wühlen, um auf der Suche nach wertvollen Feuersteinen fündig zu werden. An manchen Stellen aber liegen die Schichten mit den Schätzen über zehn Meter unter der Oberfläche.

Wo genau aber, fragt sich Binsteiner, hatten die Steinzeitler ihre Schächte gebaut? Deren Lage ermittelt ein ehemaliger Starfighter-Pilot. Fliegt er in einer bestimmten Schräglage, tauchen auf seinen Luftbildern bei seitlich einfallendem Nachmittagslicht auf dem fußballfeldgroßen Acker bis zu 500 schwarze Flecken von knapp zwei Meter Durchmesser auf: Bei diesen Pockennarben im Erdboden handelt es sich um die alten, längst wieder aufgefüllten Schächte der Feuersteinbergleute.

Alexander Binsteiner vergleicht die Lage der Schächte mit dem Tiefenprofil, das er mit der Hammerschlagmethode ermittelt hat. Dabei wird deutlich, dass die Steinzeitmenschen ihre Schächte nur an Orten in den Untergrund trieben, an denen die Jurakalkschicht mit den wertvollen Feuersteinen nicht mehr als acht Meter tief liegt. Offensichtlich konnten sie mit den einfachen Weidengeflechten, mit denen sie die Schächte abstützten, in größerer Tiefe die nachrutschende Erde nicht mehr zurückhalten.

Um die 200 Arbeitsstunden stecken in einem solchen rund zwei Meter breiten Schacht. Zehn bis zwölf Kilogramm Feuerstein holte man heraus, aus dem ein geübter Waffen- und Werkzeugmacher vielleicht 100 Klingen schlagen konnte.

War eine Grube ausgebeutet, gruben die Mineure die nächste gleich daneben und schaufelten den Abfall in das ausgeräumte Loch. Im Laufe der Zeit trieben sie auf einem viertel Quadratkilometer 20 000 Gruben in den Boden.

Vermutlich betrieben die Steinzeitmenschen vor allem Landwirtschaft und arbeiteten nur dann im Bergwerk, wenn auf dem Acker wenig Arbeit anfiel. Oft waren die Gruben so eng, dass nur Kinder dort arbeiten konnten. An eingekerbten Baumstämmen kletterten die Arbeiter in die Tiefe und kratzten mit Hacken aus Hirschgeweih den wertvollen Stein aus dem Grund.