Ganz bestimmt Uscha Pohl. Groß, dünn, bleich, sexy. Dominastiefel bis in die Kniekehlen geschnürt, großzügig im Umgang mit knallrotem Lippenstift. Auf dem Kopf so eine Fliegermütze, wie man sie aus den "Tollkühnen Männern in ihren fliegenden Kisten" kennt. Uscha empfängt Besucher in ihrem Loft in Tribeca (Betonboden, an der Wand gehenkte Barbiefiguren), aber eigentlich hat sie nicht viel Zeit, sie muss im Garment District noch ein paar selbst gemachte T-Shirts abliefern. Für eine Modenschau heute abend. Uscha ist in Deutschland geboren, hat in London Mode studiert, dann ist sie als Model und Designerin bei Vivienne Westwood gelandet. Inzwischen hat sie einen Lehrauftrag an der Kunsthochschule in London und betreibt in New York einen "Art Space" für Künstler und Designer. Uscha, können wir jetzt bitte erklärt bekommen, wer "in" und "out" ist in der New Yorker Modeszene?

Es heißt nicht "in". Es heißt "it". Sorry !! "Die ganze Modewelt dreht sich um den Personenkult", erklärt Uscha. Man muss eben so gut aussehen, dass man zu Parties eingeladen wird. So häufig mit den richtigen Leuten zusammen gesehen werden, dass die Reporter einen in den Klatschspalten erwähnen. Den richtigen Look haben, die richtigen Orte kennen. Drum ist eins von Uschas vielen Projekten der "Very Styleguide", ein Handbuch für 7,50 Euro, das jedes halbe Jahr zur Modewoche erscheint. Da schreiben Uscha und ihre Freunde aus Kunst und Mode, welche Clubs und Friseure sie besuchen, dass sie sich beim Zahnarzt-und-Model Julien die Plomben machen lassen und ständig die Kollektion des "Seven" Modeshops im Auge behalten. Irgendwie interessiert das die Leute. Manchmal gehen 30,000 Stück des "Very Styleguide" auf einmal weg. Und, hilft es den Lesern? "Man natürlich viel Geld ausgeben und dann immer noch furchtbar aussehen", sagt Uscha. "Aber wenn man die richtigen Läden aussucht, hilft es enorm".

Aha. Also: Kleider im "Filth Mart" kaufen und Kuchen im "Once Upon A Tart". Im "Naked Lunch" an der Bar sitzen und im "Tja" Fleischbällchen essen. Dabei ständig auf "It"-Leute lauern und beiläufig das Thema Gästelisten ins Gespräch einstreuen. Was kann dann noch passieren? Dass es gar nicht mehr "it" ist, bei der New Yorker Modewoche auf Parties eingeladen zu werden. "Diese Dinge gehen auf und ab", erzählt der Modeschöpfer Dirk Schönberger. "Im Moment sind London und New York eher out, Paris ist die Nummer eins". Was? Und dafür die ganze Mühe? "In diesem Jahr geht es New York doch eigentlich ganz gut", findet Uscha Pohl. Und das, sagt sie, habe nicht mal was mit It und Out zu tun "Alle Modehersteller der Welt wissen, dass die Amerikaner in diesem Jahr Angst vor dem Fliegen haben - drum müssen sie ihre Kleider nach New York bringen".

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