DIE ZEIT: Das klingt nach einer Tellerwäscherkarriere in Sachsen: vom Praktikanten zum Bürgermeister der Gemeinde Oberlichtenau; und das mit 22 Jahren ...

Carsten Guhr: Es ist sicher eine ungewöhnliche Laufbahn, und das macht mich stolz. Aber man wird nicht Millionär. Oberlichtenau ist mit 1592 Einwohnern nur eine kleine Gemeinde, deshalb ist der Bürgermeisterposten ehrenamtlich. Nach der "normalen" Arbeit geht man ins Rathaus und bekommt dafür eine geringe Aufwandsentschädigung. Zurzeit bin ich noch auf Arbeitssuche.

ZEIT: Wieso ist denn ausgerechnet der junge Praktikant im Rathaus Bürgermeister geworden?

Guhr: Mein Vorgänger wollte aus Altersgründen nicht mehr antreten und hat mich gefragt, ob ich nicht kandidieren will. Dann hat mir noch die Sekretärin gut zugeredet. Um einen ehrenamtlichen Bürgermeisterposten schlagen sich die Leute nicht gerade - so bin ich als einziger Kandidat übrig geblieben.

ZEIT: Ist Bürgermeister ein Traumjob?

Guhr: Für mich schon. Ich habe während meines Studiums der Landes- und Kommunalverwaltung gemerkt, dass mir diese Schiene liegt. Ich kann das Interesse für Jura mit dem Interesse für Politik vereinen. Im Gegensatz zu anderen, die bloß meckern, kann ich gestalten. Eine schöne Erfahrung.

ZEIT: Mit welchen Schwierigkeiten hatten Sie bislang zu kämpfen?