Gerüchte verbreiten sich schneller, als ein Wagen fahren kann. Ist der Scheich vielleicht doch nicht auf seinem Gestüt? Vom Vierbeiner gefallen? Schlecht gelaunt, weil sich sein Lieblingspferd King of the desert verletzt hat? Keine Lust auf eine Audienz? Der Tross bewegt sich jetzt mit enervierenden 50 Stundenkilometern auf einer schnurgeraden Straße. Endlich sieht man Pferde durch die Wüste galoppieren, Stallungen, satte grüne Wiesen, vereinzelt Männer mit Maschinengewehren an Schlagbäumen. Kurz darauf sieht man nur noch Wüste und das Gestüt im Rückspiegel. Die Wagen fahren jetzt langsamer, als Scheich Mohammeds Pferde traben. Sie fahren und fahren, bis die Straße einen Bogen macht und wieder zurückführt. Es ist Mittwoch, die Laune mies, als das Handy des Chauffeurs klingelt. Zehn Sekunden später hat der Tross gemeingefährliche 140 Sachen drauf. Der Kronprinz möchte jetzt empfangen.

Man sitzt noch 15 Minuten bei gereichtem Tee in einem kleinen Clubhaus inmitten von Pferdebildern, Pokalen, an die Wand genageltem Pferdegeschirr und einem Porträt des Scheichs als Soldat. Geladene Journalisten aus Deutschland, Italien, Frankreich, England, Holland und der Schweiz schlagen die Beine übereinander, nesteln an ihren Notizblöcken, sprechen leise, liegen mit kleinen Scherzen daneben und fänden es an der Zeit, dass der Scheich nun auftritt. Jener Mann, von dem zu hören ist, dass er die Dubai-Vision seines Vaters so unerbittlich vorantreibt wie ein Jockey sein Pferd auf den letzten Metern.

Der Scheich hört schlecht

Seine Hoheit tritt zügig, aber ohne Hast ein. Unter seiner königlich gebügelten, weißen Dishdasha, einem langen, hemdähnlichen Gewand, blitzen staubfreie, schwarze Reiterstiefel. Die Leute von Dubai TV fuchteln rum, die Reporter der Gulf Today drängen dazwischen, und als sich die Aufregung endlich legt und Fragen gestellt werden, schüttelt der Scheich, der gleichzeitig Verteidigungsminister der Vereinigten Arabischen Emirate ist, den Kopf, sagt, sorry, er habe einen Gehörschaden. Die Audienz dauert rund 20 Minuten, während deren der Kronprinz Dubai in geistreicher Form als sichere und großartige Metropole der Gegenwart und noch sicherere und großartigere der Zukunft anpreist, die Krise im Nahen Osten als Ursache für den 11. September sieht, den Amerikanern sanft Arroganz vorwirft, um danach leidenschaftlich übers Reiten zu parlieren.

Ahmed Kourny, der ebenfalls bei der Audienz zugegen war und mit dem man zurückfahren darf, fährt einen fleckenlos weißen Mercedes. Es ist ein 600er, der Lieblingswagen aller Jungen und Reichen in Dubai, direkt in Stuttgart bestellt, wegen der Extras. Die ledernen Sitze sind kamelfarben und heizbar, obwohl Dubai ein heißes Land ist. Sein Autokennzeichen ist die 3000, das geht. Unter 100 gehört der Königsfamilie, bis 1000 fahren wichtige Familien. 3000 geht, weil runde Zahlen ebenfalls ein großes Prestige beweisen. 3000 ist im Arabischen eine Drei mit drei Punkten, von weitem sieht dies aus wie eine bloße Drei, und die fährt, wie man hört, ein Bruder des Kronprinzen.

Kourny, ein Mittdreißiger und Manager der Emirates Airline, lenkt gern mit der rechten Hand, dort trägt er auch seine Uhr. Es ist eine Genfer Cabochard, die nach viel Geld aussieht, aber offenbar nach zu wenig, um in Dubai beeindrucken zu können. Ahmed ließ sich noch drei Brillanten oben rechts um die Eins anbringen. Sein ganzes Erscheinen sowie sein Wagen verkörpern das moderne Dubai; Sauberkeit, Reichtum, die Selbstverständlichkeit des Besten und da und dort eine kleinliche Übertreibung. Der untere Teil der Innenverkleidung von Ahmeds Fahrer- und Beifahrertür ist mit einwandfrei zugeschnittenem Pappkarton geschützt, damit beim Ein- und Aussteigen die staubigen Füße das Leder nicht beschmutzen.

Schnäppchenpreise im Emirat