DIE ZEIT: Wieso widmet sich eine der renommiertesten Essayistinnen des 20. Jahrhunderts seit einigen Jahren fast ausschließlich der Literatur?

Susan Sontag: Mein Hauptinteresse galt schon immer der literarischen Arbeit. Mein erstes Buch war ein Roman, The Benefactor, und ich hatte fest vor, weiterhin in erster Linie Belletristik zu schreiben. Die Essays kamen als eine Art Laster, als Ablenkung in mein Leben. Die kulturellen Debatten der späten sechziger Jahre waren so spannend, und das Echo auf meine frühen Essays war so überwältigend, dass ich dazu verführt wurde, mehr solcher Essays zu schreiben. Ich war plötzlich berühmt für etwas, das ich stets als reine Nebenbeschäftigung betrachtet habe. Natürlich stehe ich zu den Essays, manche davon halte ich sogar für hervorragend, aber mein Herzblut habe ich nicht dafür gegeben. Meine wahre Liebe war und ist die Literatur.