Mit 14, als meine Freunde für Smokie und die Bay City Rollers schwärmten, bin ich zum ersten Mal auf einem Konzert von Johnny Cash gewesen. Cash trat damals, 1978, in Köln auf. Ich hatte erst eine Hand voll Platten von ihm, aber von nun an war mein Interesse erwacht. Der harte Rhythmus und die raue Stimme - das war etwas ganz anderes als diese gefällige Discomusik, die zu der Zeit so angesagt war.

Ich sammelte alles von Cash und besuchte seine Shows, wo immer das möglich war. Meine Sammlung ist inzwischen auf fast 3000 Platten und CDs angewachsen, hinzu kommen unzählige Film- und Bandaufnahmen, Fotos und Pressedokumente - wahrscheinlich ist es eine der umfangreichsten Kollektionen überhaupt.

Das letzte Cash-Konzert, das ich sah, fand 1997 in Koblenz statt - ganz in der Nähe meiner Heimatstadt Montabaur. Es war das 100. Konzert, das ich besucht hatte. In ganz Deutschland und halb Europa war ich unterwegs, um Cash zu sehen. In England kenne ich jeden Ort über 50 000 Einwohner, weil Cash dort überall Station machte. Allein in London bin ich wohl ein Dutzend Mal gewesen. Später kamen Reisen in die USA dazu. Meine Routen waren stets so gewählt, dass sie sich mit denen von Cash kreuzten. Diese Urlaubsplanung mit meiner Freundin abzustimmen erforderte einige Überredungskunst.

1983 traf ich Johnny Cash zum ersten Mal backstage. Von seinem Manager hatte ich die Zusage für ein Interview bekommen. Den größten Eindruck machte mir sein Gesicht, das noch zerfurchter war, als ich es aus der Ferne oder von Bildern her kannte. Die Begegnung fand in Mainz statt, zwei Tage nach Cashs missglücktem Auftritt in Wetten, dass ...?. Cash wirkte in der Sendung wie betrunken, war aber wohl einfach nur erschöpft. Die hämischen Kommentare in der Presse ärgerten mich damals ungemein. Später, gegen Ende der achtziger Jahre, wurde der Tenor in der Presseberichterstattung allmählich positiver.

1994, nachdem das American Recordings-Album erschienen war, wollten alle schon immer Johnny-Cash-Fans gewesen sein.

Meine Sammelleidenschaft ging so weit, dass ich alle Live-Konzerte mitzuschneiden versuchte. Das brachte mir heftigen Ärger mit Cashs Manager ein, der in den Bändern die Quelle von Raubpressungen wähnte (zu Unrecht).

Als der Streit 1994 eskalierte, stellte mich Cash selbst zur Rede. Er sagte es zwar nicht - aber ich glaube, es gefiel ihm sogar, dass ich die Shows aufzeichnete. Seine Gunst verlor ich jedenfalls nicht. Wann immer es sich einrichten ließ, war er zu einem Treffen oder zu einem Interview bereit.