Noch mehr als das widrige Wetter strengt es sie an, dass ihr neuer Job von ihr Erklärungen darüber verlangt, was es eigentlich heißt, eine Sendung mit dem verpflichtenden Namen Gabi Bauer zu moderieren. "Ich weiß, was ich will", erklärt sie ihre spürbar gemischten Gefühle, "aber noch habe ich keine Minute moderiert."

Es ist Mittagszeit. Frau Bauer kommt vom dritten oder vierten Interview mit den Kollegen von den Programm- und Regenbogenmagazinen. Sie hat Appetit auf Jakobsmuscheln, und die Pressedamen ihres zukünftigen Heimatsenders WDR geben ihr eine Stunde frei.

Als sie dem Kellner ihre Bestellung diktiert, hat sie einen hungrigen Blick. Sie nimmt statt einer normalen gleich eine doppelte Portion Muscheln, wehrt Weißwein ab und sagt dann ganz unvermittelt: "Zu Hause kleide ich mich natürlich anders." Wie anders? Keine Frage: Gabi Bauer sieht an diesem Februartag sehr fein aus. Ihr Kostüm ist aus grauem Stoff, der je nach Lichteinfall changiert; ihr Makeup ist hell und passt zu den blonden Haaren, und ihr Lippenstift hat die Farbe frischer Kirschen. Mit Schminken, wehrt sie ab, habe sie es eigentlich nicht so, zum Windelnwechseln ihrer Zwillingssöhne passe eher legere Kleidung.

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Jetzt knüllt sie eine Serviette in den Händen, weil sie eigentlich nicht über ihr Aussehen sprechen will - dabei zeigt sie einen Ring, den sie rechts trägt, einen aus Titan mit drei Steinen: "Sie sind immer bei mir: mein Mann Ulli, meine Kinder Mats und Adrian." Während sie redet, schaut sie auf den Schmuck, als könnten die Steine sie hören.

"Wissen Sie", sagt sie - wieder etwas unvermittelt. "Dieser neue Job bringt mich endlich in den Beruf zurück." Im letzten halben Jahr habe sie kaum mal eine Zeitung gelesen, geschweige denn eine politische Sendung verfolgt. Das "Hickhack" in der Politik habe sie einfach nicht interessiert. Gabi Bauer, die hoch gelobte, mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis ausgezeichnete Nachrichtenfrau, hatte den Hebel einfach umgelegt und mehrere Gänge zurückgeschaltet: Mutterinstinkte statt Businessfrau.

Ab sofort jedoch, sagt Gabi Bauer, werde sie wieder auf zwei Ebenen agieren: als Ehefrau und als Journalistin. Ohne Frage: Sie braucht es, wieder an der Front mitzumischen, an der Journalisten zu "Newsagenten" werden - in der Hoffnung, Nachrichten zu machen. "Ob ich den Spagat zwischen Familie und Job perfekt hinkriege, ist noch nicht bewiesen." Ihre Zweifel wirken echt.