Der Betriebsrat. Stimmengewirr im vierten Stock des Opel-Trainingszentrums. Die Betriebsräte haben sich in dem nüchternen Zweckbau aus Beton zum "Strategietreffen" versammelt. "Von acht bis vier" soll es dauern, verrät die hilfsbereite Assistentin des Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Klaus Franz. Der 49-Jährige im schwarzen Jeanshemd, seit 1985 im Betriebsrat und seit zwei Jahren dessen Chef, ist gern bereit, die erste Kaffeepause zu opfern, um Auskunft zu geben.

Die Kleiderordnung ist locker, die Themen sind ernst. Vier Wochen zuvor erfuhren die Opelaner aus der Zeitung, Vorstandschef Carl-Peter Forster plane, das Weihnachtsgeld und die nächsten Tariferhöhungen einzukassieren. Große Aufregung. Ein Betriebsrat sprach von Streik.

Jetzt wiegelt Franz ab. Die damalige Verstimmung sei "aus der Welt geschafft". Der Betriebsrat mit Sozialarbeiterdiplom sagt: "Wir wollen, dass das Unternehmen wieder flott wird, dass wir wieder Gewinne machen." Und mit ernstem Blick durch die randlose Brille: "Aber die Belegschaft darf nicht einseitig zur Ader gelassen werden."

Der ehemalige BMW-Vorstand Carl-Peter Forster ist seit 1. April 2001 neuer Opel-Chef. Franz und seine Kollegen haben dessen Bestellung damals sogar in einer eigenen Pressemitteilung begrüßt. Der erste deutsche Opel-Chef nach einer ganzen Reihe rasch wechselnder Amerikaner aus der Detroiter GM-Konzernzentrale bleibt für die Betriebsräte der Hoffnungsträger. "Forster ist kein Einfacher, aber er hält sich an Verabredungen", urteilt Franz, der auch der Interessenvertretung aller Beschäftigten des amerikanischen Mutterkonzerns General Motors (GM) in Europa vorsitzt.

Die "komplizierten Verhandlungen" hätten erst angefangen. Und die können dauern. Werden doch die meisten Opelaner nach IG-Metall-Tarif bezahlt, und keiner weiß, was von den geforderten 6,5 Prozent in den laufenden Tarifverhandlungen durchgesetzt werden kann. Bevor die Opel-Räte davon wieder etwas dreingeben, müssen sie auch die Betriebsratswahlen am 5. März bestehen.

Natürlich ist dem Chefunterhändler der Arbeitnehmer klar, dass auch beim Personal gespart werden muss: "Wir müssen uns dem Paket stellen." Das Paket ist Forsters Sanierungsplan "Olympia", mit dem er bis zum Jahr 2003 zwei Milliarden Euro reinholen will. Die Arbeitnehmer ziehen mit: "Wir haben uns im europäischen Rahmenvertrag verpflichtet, dass die Kapazitäten reduziert werden." Deshalb werden auch weniger Menschen gebraucht. "Sozialverträglich" soll das ablaufen, mit Vorruhestand, Altersteilzeit, Abfindungen ...

Bereits zweimal, 1993 und 1998, haben Vorstand und Betriebsrat "Standortsicherungsverträge" vereinbart. "Wir haben immer eine ausgewogene Balance zwischen Geben und Nehmen gefunden", sagt Franz. Gegeben wurden Teile der Tariferhöhungen und Arbeitsplätze, entgegengenommen wurde der Verzicht auf Kündigungen und Werkschließungen, vor allem aber Investitionen. Zuletzt für das neue Vectra-Werk. "Mitten in der Finanzmetropole Rhein-Main haben wir einen amerikanischen Konzern dazu gekriegt, über 800 Millionen Euro in ein Produktionsunternehmen zu stecken - ohne einen Cent Subventionen", lobt der Betriebsratschef sich und die seinen. Der Preis: Die Produktionsmannschaft in Rüsselsheim schrumpft zwischen 1997 und 2003 um 4500 Köpfe - sozialverträglich natürlich.