DIE ZEIT: Herr Scholz, gleich nach dem 11. September hat die US-Regierung das private Sicherheitspersonal an den Flughäfen durch staatliche Ordnungskräfte ersetzt. Geht der Staat ein Risiko ein, wenn er die Innere Sicherheit aus der Hand gibt?

Rupert Scholz: Der Staat darf nie die Innere Sicherheit aus der Hand geben. Aber er muss natürlich effektiv und wirtschaftlich sein - gerade in Zeiten leerer Staatskassen.

ZEIT: Deshalb plädieren Sie dafür, kommerzielle Ordnungshüter stärker als bisher im öffentlichen Raum einzusetzen. Fällt das Gewaltmonopol des Staates dem Sparzwang zum Opfer?

Scholz: Das Gewaltmonopol des Staates ist ein rechtsstaatlich unabdingbares Prinzip. Private Sicherheitsdienste können deshalb nur ergänzende Dienste im Rahmen des staatlichen Gewaltmonopols übernehmen. Hier ist aber ein breites Feld gegeben.

ZEIT: Als Beispiele nennen Sie die Bekämpfung von Bettelei und Rowdytum. Wenn Private das dürfen, wo liegt die Grenze zu ausschließlich staatlichen Befugnissen?

Scholz: Entscheidend ist, dass Private im öffentlichen Raum nicht als selbstständige Ordnungsorgane, sondern nur als Verwaltungshelfer auftreten. Sie unterstützen die Polizei nur, was man gern als Public-Private Partnership bezeichnet. Ein Beispiel: Private können ohne weiteres den Tatbestand des Falschparkens feststellen. Die Verhängung von Bußgeldern aber darf nur in hoheitlicher Verantwortung geschehen.

ZEIT: Wie verhält es sich mit Einsätzen, die möglicherweise die Anwendung von Gewalt erfordern?