DIE ZEIT: Die Zahl der weltweit verkauften Personenwagen der Marke Mercedes-Benz hat sich von 1993 bis 2001 auf mehr als 1,1 Millionen pro Jahr verdoppelt. Kann das so weitergehen?

Jürgen Hubbert: Wir können sicher in einem begrenzten Umfang weiter wachsen, zumal der Weltmarktanteil von Mercedes-Benz mit 2,5 Prozent überschaubar ist. Ob wir demnächst 1,2oder 1,3 Millionen Pkw pro Jahr verkaufen, hängt davon ab, wie erfolgreich der zweite Zyklus unserer Modelloffensive verläuft.

ZEIT: Die Konkurrenten im so genannten Premiumsegment wie BMW, Audi, Jaguar oder Volvo hegen ebenfalls hochfliegende Pläne. Experten prophezeien aber, dass die Industrie die Nachfrageentwicklung weit überschätzt.

Hubbert: Wenn Sie den Automarkt betrachten, werden Sie feststellen, dass weltweit die Segmente der oberen Mittelklasse und der Luxusklasse wachsen. Das liegt daran, dass immer mehr erfolgreiche Menschen sich durch ein besonderes Produkt, etwa durch die Größe oder die Marke ihres Autos, differenzieren wollen. Dann gibt es eine weitere Gruppe, die sich für das intelligente Kleinfahrzeug entscheidet. Schwierigkeiten haben die Autohersteller, die ihr Angebot dazwischen angesiedelt haben.

ZEIT: Ihr Kollege, BMW-Chef Joachim Milberg, glaubt, dass sich die Premiummarken von den allgemeinen Konjunkturzyklen abgekoppelt haben. Ist das nicht eine gefährliche Illusion?

Hubbert: Ich teile diese Auffassung nur begrenzt. Es ist einerseits richtig, dass unsere Kunden meist eine stärkere wirtschaftliche Basis haben als diejenigen von Volumenherstellern. Andererseits werden derzeit auch Käufe von Geschäftsleuten verschoben. Zudem ist der Fahrzeugbestand in Europa relativ jung, viele Privatkäufer verspüren also nicht das Bedürfnis, sich ein neues Auto anzuschaffen.

ZEIT: Es kann somit auch für die erfolgsverwöhnten Prestigemarken eine Absatzdelle geben?