DIE ZEIT: Frau Osterwold, warum soll man Bücher hören, wenn man sie lesen kann?

Margrit Osterwold: Die Interpretation eines guten Textes durch eine gute Stimme ist in jedem Fall ein Gewinn. Die Stimme ist ein ungeheures Machtinstrument, mit Stimme kann man Menschen beruhigen, mit Stimme kann man sie aufhetzen. Das soll aber nicht heißen, dass mit Hörbüchern nicht mehr gelesen wird. Ich stelle mir beim Lesen inzwischen aber oft Stimmen vor.

ZEIT: Wie haben Sie das Hörbuch entdeckt?

Osterwold: Mein erstes Hörbuch war Schloß Gripsholm. Ich habe es auf einer Fahrt zur Buchmesse gehört. Danach habe ich immer häufiger Literatur gehört. Meinem Sohn habe ich später Die Buddenbrooks, Joseph und seine Brüder,Effie Briest und den Zauberberg gegeben. Man kann eigentlich Kindern nichts Besseres antun, als sie gute Literatur hören zu lassen. Das ist wie Geschichtenerzählen, die Urform der Literatur, übertragen ins Heute.

ZEIT: Und dann mussten Sie gleich einen eigenen Verlag gründen. Warum?

Osterwold: Weil es Zeit war. Als ich anfing, Hörbücher zu machen, das war 1995, gab es in den USA schon ein großes Umsatzpotenzial. Dort hält dieser Boom jetzt schon 20 Jahre an. So weit sind wir noch lange nicht. Wenn ich heute noch einmal 40 wäre, würde ich es allerdings anders machen, eine Firma gründen, die mit Bankgeldern arbeitet und mehr Mitarbeiter beschäftigen könnte.

ZEIT: Warum wird das Hörbuch auch hierzulande weiter für Umsatzsteigerungen sorgen?