An einem Januarsonntagmorgen hatte ich meine Glücksreise beginnen wollen. Als der Wecker klingelte, war vor dem Fenster alles kalt und grau und dunkel.

Jetzt da hinaus, ohne Ziel? Was ich vorhatte, schien mir plötzlich absurd.

Route und Programm nur dem Zufall zu überlassen, tagelang das eigene Wollen auszuschalten, würde das gehen? Und wie würde es sich anfühlen? Ich legte mich wieder hin.

Montagmorgen, zweiter Versuch: Vor der Anzeigetafel im Hamburger Hauptbahnhof schwenke ich den Würfelbecher. Der Wurf soll darüber bestimmen, welchen der nächsten sechs Züge ich nehme. Eine 2 hieße: Regionalexpress nach Uelzen, eine 3: Fernzug nach Prag, eine 4: Auf nach Sylt!

Es fällt die 1, Intercity Richtung Köln. Ich stürze die Treppe hinunter und springe an Bord. Der erste Glücksmoment: Ich bin tatsächlich losgefahren nach dem Losverfahren. Aber was nun? Weder habe ich eine Fahrkarte noch ein Ziel.

Die Elbbrücken ziehen vorbei, ich setze mich in den Speisewagen mit meinem Becher: Wie viele Stationen weit fahren?

Harburg (1) fände ich enttäuschend, andererseits: Wann bin ich je in Harburg gewesen? Und überhaupt: Muss dem Glücksreisenden nicht jedes Reiseziel gleich willkommen sein? Wäre nicht Bremen (2) genauso gut wie Hagen (5) oder Wuppertal (6)?