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Es ist halb sieben Uhr morgens, als der Bus den Parkplatz des Holiday Inn verlässt. Die 40 Lehrer aus New York sind noch nicht ganz wach. Die meisten hängen in ihren Sitzen, schlaff wie Teenager auf der Fahrt zur Schule.

Draußen vor dem Fenster zieht im Nebel die Landschaft South Carolinas vorbei.

Sümpfe, Wiesen und wieder Sümpfe, durch die nur diese eine Straße führt. In zehn Minuten werden die ersten Baracken in Sicht kommen. Dann ist die Gruppe am Ziel: auf Parris Island, einem Areal festen Bodens inmitten der weiten Sumpflandschaft und Sitz eines der beiden Ausbildungscamps der US-Marines.

Die Lehrer haben sich freiwillig gemeldet, auf Einladung des Marine Corps.

Jedes Jahr lädt die Elitetruppe des amerikanischen Militärs insgesamt 960 Highschool-Lehrer ein, um ihnen in wenigen Tagen zu zeigen, was die Ausbildung zum Marine ihren Schülern bieten kann. Die Lehrer sollen an ihren Schulen für die Truppe werben. In dieser Zeit, da Amerika sich im erklärten Krieg gegen den Terror befindet und da der nächste Feldzug womöglich nah bevorsteht, scheint das von besonderer Dringlichkeit. Die Einrichtung dieses speziellen Truppenbesuchs existiert allerdings schon seit sechs Jahren.

Berührungsängste gegenüber dem Militär wie in Deutschland hat es in den USA schließlich nie gegeben.

Dürfen wir auch mit einer echten M16 schießen?, fragt Doris Diaz einen der Begleiter im Bus. Doris ist im Vergleich zu den anderen Lehrern hier jung, erst 30, und Vertrauenslehrerin in der Bronx. Für den Tag heute hat sie sich bequem angezogen. Sie trägt einen blauen Trainingsanzug und, wie fast alle der Lehrer im Bus, den kleinen roten Anstecker der Marines an ihrer Jacke.

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Ein paar Reihen hinter ihr spielt Gerry Gioia leise auf seiner Mundharmonika.

Der 54-Jährige ist Musiklehrer aus Brooklyn. Damals, in Vietnam, hat er die Truppen musikalisch unterhalten. Ich hatte Asthma und durfte nicht kämpfen, sagt Gerry. Auf seine Jeansjacke hat er die Wappen aller Streitkräfte der USA genäht. Um Respekt vor unseren Jungs zu zeigen. Sie geben ihr Leben für unser Land - das sind alles Helden.

Erst seit die Türme gefallen sind, haben die Menschen wirklich verstanden, wie wichtig unser Militär für Amerika ist, meint Jill Goldstein. Sie ist 50 Jahre alt und Vertrauenslehrerin in einer Highschool auf Long Island. Die meisten Highschools hätten es bisher als Niederlage betrachtet, wenn ein Schüler in die Armee ging, sagt sie. Sie und ihre Kollegen hätten immer versucht, so viele Kinder wie möglich auf die Universität zu bekommen. Zum Militär gingen im Allgemeinen die Schüler, die mit Ach und Krach ihren Abschluss gemacht und keine guten Zukunftsaussichten hatten. Ein Armutszeugnis für jede Highschool. Nach dem 11. September hat sich diese Auffassung geändert. Zuvor habe ich alles getan, um herauszufinden, was meine Schüler sonst machen können, sagt Jill. Jetzt wehre mich nicht mehr so sehr dagegen, ihnen die Armee zu empfehlen.

Für Jill Goldstein hat diese Reise auch eine persönliche Bedeutung. Bisher hat sie noch mit niemandem in der Gruppe darüber geredet. Brian, ihr 22 Jahre alter Sohn, ist zurzeit auf Parris Island. Wenn er durchhält und auch die letzten Prüfungen besteht, wird er in einem Monat zum Marine ernannt. Für die Zeit danach hat er sich zur Infanterie gemeldet. Dort ist die Wahrscheinlichkeit, bald an die Front geschickt zu werden, am größten. Er will unbedingt kämpfen, sagt Jill und senkt den Blick. Brian sei nie ein Problemkind gewesen, erklärt sie. Er hätte auch auf die Uni gehen können.

Doch er war schon immer vom Militär fasziniert, seit er klein war. Wir haben geahnt, dass es so kommt, dass er sich freiwillig meldet. Jill spricht sehr leise. Mit der Entscheidung ihres Sohnes habe sie ihren Frieden geschlossen, sagt sie, mit der Angst um ihn aber nicht. Aus Parris Island durfte Brian seinen Eltern bisher nur ein paar Briefe schreiben. Jetzt ist sie hier - und sie wird alles versuchen, ihren Sohn wenigstens für ein paar Minuten zu sehen.

So leicht wie Brian finden nicht alle zur Armee. Da der Militärdienst in den USA freiwillig ist, muss jede der amerikanischen Streitkräfte um ihren Nachwuchs werben. Im Fernsehen oder als Sponsor von Veranstaltungen. Am meisten Erfolg verspricht die Arbeit an der Quelle, in den Highschools. 2650 Recruiters - Marines, die ausgebildet werden, neue Rekruten zu werben - bemühen sich im ganzen Land um Schüler, die kurz vor ihrem Abschluss stehen.

Sie besuchen regelmäßig Klassen und bauen Infostände in den Cafeterias auf.

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Drei neue Marines sollte ein Recruiter im Monat anwerben - das fällt nicht leicht, wohl auch, weil die Jugendlichen sich für mindestens vier Jahre verpflichten müssen. Die größte Hilfe sind dem Recruiter die Lehrer. Ein Lehrer, der einem ratlosen Schüler von den Marines vorschwärmt, hat wesentlich größeren Einfluss auf das Kind, als es ein Recruiter je haben könnte, sagt Staff Sergeant Matt Olivolo.

Der Bus hält zwischen flachen Backsteinbauten, in denen die Verwaltung untergebracht ist. Parris Island sieht auf den ersten Blick aus wie ein Werkgelände. Die drei Drill Instructors, die die Gruppe begleiten, beginnen, die Lehrer brüllend aus dem Bus zu scheuchen. Sie sollen erfahren, wie es ist, hier als Rekrut anzukommen. Darauf hat sich Doris die ganze Zeit gefreut - schon auf der Fahrt hat sie gesagt: Ich will, dass sie es so machen wie bei den echten Rekruten. Sie ist eine der Ersten, die auf dem Asphaltplatz vor dem Bus strammsteht. Hände aus den Hosentaschen! Kopf gerade! Aber zack, zack!, brüllen die Drill Instructors. Doris ballt die Hände zu Fäusten, und auch Gerry Gioia steht stramm inmitten der Lehrer. Drill Instructor Booth nimmt die Sache weniger ernst. Er schreit ein wenig leiser als sonst.

Außerdem kommen die Rekruten normalerweise nachts um zwei, drei Uhr an, weil sie dann an nichts Böses denken und total übermüdet sind, wie Booth später erklärt.

Lieber ein Heldentod im Krieg als ein Streifschuss in der Bronx

Mir hat der Empfang auch so gereicht, sagt Doris, nachdem die Pädagogeneinheit abtreten darf und zu Fuß auf dem Weg zu einem Vortrag ist.

Schon bevor Doris herkam, wusste sie, dass vielen ihrer Schüler militärischer Drill gut tun würde. Und dass viele ihrer Schüler, wenn sie nicht zum Militär gehen, wahrscheinlich im Knast oder auf der Straße enden. Doris unterrichtet Jugendliche, deren Eltern drogenabhängig, gewalttätig, Alkoholiker sind.

Manche bekommen nicht einmal richtig zu essen. Was denen die Marines zu bieten haben? Drei Mahlzeiten am Tag, eine Berufsausbildung, ein sicheres Gehalt, sagt sie. Das bietet ein Job bei McDonald's nicht. Und außerdem ist es mir lieber, sie sterben in einem Krieg als Helden, als dass sie in der Bronx einen Streifschuss abkriegen. Beinah jeder fünfte Schüler fragt Doris nach seinen Chancen bei der Armee. Und deswegen will ich hier alles mitmachen: Laufen, Schießen, Klettern - ich mache Fotos, damit meine Kids sehen, was sie hier lernen können.

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Die Lehrer wissen, welche Mythen sich um das so genannte Boot Camp der Marines ranken. Das Training gilt als erbarmungslos hart. Die Marines brüsten sich mit dem Spruch Wir machen Marines und verhehlen nicht, dass es darum geht, den Willen der Rekruten zu brechen. Wir brechen sie, um sie danach wieder aufzubauen - nach unseren Idealen: Ehre, Mut und Hingabe, erklärt General McMenamin im Vortrag. In dem Satz Wir machen Marines schwingt für die Lehrer offenbar auch ein wundervolles Versprechen mit: ein Versprechen auf höfliche, disziplinierte junge Menschen. Jeder Rekrut, der den Lehrern während dieser Reise über den Weg laufen wird, wird ihnen entweder die Tür aufhalten, das Gepäck abnehmen oder brav mit Aye, sir! oder Aye, ma'am!

antworten. So viele nette junge Menschen.

Vom Auditorium geht es im Bus weiter - quer über die Insel, zum Parcours des so genannten Crucible. The Crucible ist ein Gewaltmarsch, der 54 Stunden dauert und der letzte große Test in der Ausbildung eines Marine ist. Die Rekruten müssen 40 Meilen laufen, unzählige Feldübungen machen und einige Minuten in einem Übungsraum für Gasangriffe überstehen. Sie dürfen insgesamt acht Stunden schlafen und drei Mahlzeiten zu sich nehmen. Haben sie es geschafft, sind sie Marines - für immer.

In der Sonne sieht der Parcours aus wie ein gigantischer Abenteuerspielplatz.

Die Lehrer steigen aus und schlendern in Grüppchen über den Rasen. Ein paar Meter weiter klettern einige Platoons von jeweils 80 Rekruten gerade in voller Ausrüstung über Baumstämme, ziehen sich an Seilen hoch und winden sich durch Betonröhren. Die Lehrer nehmen die Hände aus den Hosentaschen und machen Fotos. Auch Jill zückt ihre Kamera, sie möchte der Familie zeigen, was Brian bewältigen muss.

Eine der Lehrerinnen, Olga Rosado aus Brooklyn, beginnt, ein paar Jugendliche beim Klettern über ein Holzhindernis anzufeuern. Go, go, go. Komm schon, du schaffst das, schreit sie und hustet. Miss Rosado ist um die 50 und nutzt jede Minute, die sie nicht im Bus verbringen muss, um sich eine Zigarette anzuzünden. Sie ist die einzige Grundschullehrerin in der Gruppe - sie hat ihren Mann Jose, einen Highschool-Lehrer, nach Parris Island begleitet. Von den Erziehungsmethoden der Marines ist die Grundschullehrerin begeistert. Am Abend zuvor hat sie gegenüber einem Staff Sergeant stolz bemerkt, wie viel Angst ihre kleinen Schüler vor ihr hätten. Nur aufgrund dieser Angst würden sie lernen, wie man Respekt zeigt. Nach Parris Island möchte sie jedes einzelne ihrer Kinder am liebsten schon jetzt schicken. Die brauchen das, sagt sie und zieht an ihrer Zigarette.

Später am Nachmittag stehen die Lehrer in einer Schwimmhalle. Es ist etwa 45 Grad Celsius warm, die Luftfeuchtigkeit beträgt fast 100 Prozent. In wenigen Minuten werden Doris und andere Lehrer schon wieder nach draußen gehen müssen, um Luft zu holen. Am Beckenrand stehen über 200 Rekruten in voller Ausrüstung, mit Gewehr, Helm, Stiefeln und Rucksack. Die Drill Instructors pfeifen einen nach dem andern ins Wasser - die jungen Männer sollen Bahnen schwimmen. Doch 20 Kilogramm Material und der voll gesogene Kampfanzug lassen sie schon nach wenigen Sekunden untergehen. Weiter! Komm schon!, brüllen die Drill Instructors vom Beckenrand. Ein Junge wird weinend aus dem Wasser gefischt. Zwei Meter weiter sagt ein Lehrer nickend zu seinem Nebenmann: So ist das eben, im Krieg kann man auch nicht aufgeben und heulen.

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Die Lehrer werden zurück ins Holiday Inn gefahren. Es ist Abend. Nach dem Essen will Jill noch einmal über die Szenen im Schwimmbad reden. Das Boot Camp, sagt sie, bestünde nur aus Zwang und Beleidigung, aus 84 Tagen voller Demütigungen. Die Zweifel reichen nicht weit. Aber die Marines wissen, was sie tun, sagt Jill. Und alles, was sie tun, ist psychologisch auch notwendig.

Am nächsten Morgen leuchtet der Frühstücksraum des Holiday Inn Marine-rot.

Doris, Gerry - fast die Hälfte der Lehrer haben das knallrote Marines-T-Shirt übergezogen. Dazu kommen Marines-Kappen und -Trainingshosen, die sich die Lehrer gestern im Souvenirshop gekauft haben. Gerry Gioia war sogar noch beim Armeefriseur. Er hat sich im Stil der Marines einen Bürstenhaarschnitt verpassen lassen: rund um den Kopf abrasiert, nur das Haupthaar ein paar Millimeter länger. Meine Schüler sollen ja auch sehen können, dass ich hier war, sagt er und holt sich noch einen Kaffee, bevor es losgeht.

In Marines-Kappen und -T-Shirts fahren die Lehrer zum Schießen

Auf der Fahrt nach Parris Island ist die Stimmung noch besser als am Vortag.

Die Drill Instructors Booth und Lebeouf brüllen zum Spaß Kommandos, und die Lehrer klopfen sich vor Lachen auf die Schenkel. Jetzt aber den Mund halten, sofort, dröhnt es irgendwann von vorne. Die Gruppe muss schnell aussteigen, sonst verpasst sie die Übung der Rekruten mit den Gasmasken.

Vor dem Bus machen sich etwa 20 Rekruten fertig. Sie setzen die Masken auf und marschieren in einen Holzverschlag. Von außen schließt einer der Drill Instructors die Tür und hält sie zu. Die Lehrer verteilen sich auf der Wiese und tratschen, die Hände in den Taschen und Sonnenbrillen im Gesicht. Nach drei Minuten und 41 Sekunden öffnet der Instructor die Tür: Die Rekruten stürmen heraus, reißen sich die Masken vom Gesicht, japsen und keuchen. Die Masken haben nichts genutzt. Alle Rekruten mussten gerade eine ordentliche Portion CS-Gas einatmen. Die Jungs heulen, einige von ihnen würgen und übergeben sich auf den Rasen

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Wann können wir denn heute mit der M16 schießen, fragt Doris Diaz einen Drill Instructor. Ein wenig später am Tag, sagt er, so nach dem Mittagessen.

Auf dem Weg zum Schießstand im Bus sind die Lehrer besonders aufgeregt. Ich habe noch nie in meinem Leben geschossen, erzählt Doris. Hinter ihr macht jemand Schussgeräusche: Bam, bam! Bevor die Lehrer schießen dürfen, müssen sie Drill Instructor Amy Lebeouf ein paar Grundregeln nachsagen: Grundregel eins: Man soll sein Gewehr immer so behandeln, als wäre es geladen! Zwei: Die Finger vom Abzug lassen, bis man bereit ist, zu schießen! Drei: Nicht mit dem Gewehr auf etwas zielen, auf das man gar nicht schießen will! Und vier: Ein Gewehr immer erst feuern, wenn man dazu bereit ist.

Auf dem Weg zum Bus vergleichen sie ihre Trefferquoten

Während die Lehrer die Regeln im Chor aufsagen, setzt sich Jill Goldstein nach vorne. Sie weiß, dass ihr Sohn Brian in dieser Woche im Schießtraining ist - er dürfte also nicht weit weg von ihrer Gruppe sein. Jill versucht, Amy Lebeouf, die einzige Frau unter den Drill Instructors, zu überreden, sie kurz zu ihrem Sohn zu lassen. Wenigstens für ein paar Sekunden. Lebeouf zieht ihr Handy aus der Hosentasche. Sie ruft Brians Drill Instructor an. Ich kann nichts versprechen, sagt sie, als das Telefonat beendet ist, und zuckt mit den Schultern. Das geht eigentlich gar nicht, das wissen Sie ja. Das weiß Jill und nickt, aber sie, als seine Mutter - kann das denn keiner verstehen?

Am Schießstand stellen sich die Lehrer in Reihen auf. Manche möchten im Liegen, die anderen im Stehen oder Knien schießen. Die Marines, die beim Schießen assistieren sollen, bekommen es mit einer talentierten Gruppe zu tun: Doris Diaz hat sich eine der schwierigsten Positionen ausgesucht. Sie lehnt mit dem Oberkörper auf einer schrägen Holzwand. Doris legt mit ihrer M16 an und zielt. Zweihundert Meter trennen sie von den weißen Kreisen auf dem Pappkörper vor ihr, zehnmal darf sie schießen. Zwischen den Schüssen lässt sie sich Zeit, um die Ruhe in der Hand wiederzufinden

der Rückstoß ist härter, als sie dachte. Doris versenkt mit ihren zehn Schüssen fünf der gelben Pappmenschen. Sie ist glücklich. Das wird sie ihren Schülern erzählen.

Um sie herum stellen sich ein paar Lehrer bereits zum zweiten Mal in der Schlange an: Sie wollen noch einmal das Maschinengewehrfeuer ausprobieren, bevor es wieder nach Hause geht.

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Während die Lehrer zum Schießstand gerannt sind, hat Sergeant Lebeouf Jill Goldstein am Arm festgehalten: Okay, fünf Minuten. Dahinten steht er.

Jill kann ihren Jungen in ihrer Aufregung und Eile erst gar nicht erkennen.

Was sie sieht, sind 80 Rekruten, die mit geschorenen Haaren und im Kampfanzug vor dem Bus auf Bänken sitzen. Einer von ihnen steht auf und wird von einem Drill Instructor über den Rasen kommandiert. Einen halben Meter vor seiner Mutter muss Brian stehen bleiben. Keinen Körperkontakt, bitte, hatte Amy Lebeouf Jill vorhin noch ermahnt. Jill kann sich gerade mal ein paar Sekunden zusammenreißen, dann streichelt sie Brian über die Wange. Sie weint. Auch Brian bekommt nasse Augen. Er darf seine Mutter nur mit ma'am ansprechen.

Geht es dir gut?, fragt Jill - Aye, ma'am. - Du hast gar nicht abgenommen.- No, ma'am.

Später sitzt Jill verweint und glücklich im Bus. Draußen werden Erinnerungsfotos gemacht. Doris lässt sich mit einem Drill Instructor fotografieren, der sie um fast zwei Köpfe überragt. Gerry Gioia posiert mit einer M16 beim Schießen. Die Lehrerkollegen formieren sich zu letzten Gruppenfotos - vor den Gewehren, mit Marines im Arm oder einfach nur im Halbkreis.

Auf dem Weg zum Bus wird geredet. Über die getroffenen Pappsilhouetten, den starken Rückschlag beim Maschinengewehrfeuer, die tollen Tage auf Parris Island. Visitenkarten und Telefonnummern werden ausgetauscht. Ein Lehrer und eine Lehrerin diskutieren, ob Jill ihren Sohn überhaupt hätte sehen dürfen.

Warum denn nicht?, fragt die Frau. Weil man den nicht aus seiner Konzentration herausholen darf, antwortet der Mann. Immerhin bereitet sich der gerade darauf vor, in den Krieg zu ziehen und zu töten.

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In diesem Moment fällt das Wort zum ersten Mal. Vom Töten hat bisher ja noch keiner hier gesprochen.