So ein Blitz ist eine ganz schön komplizierte Sache und auch längst noch nicht vollständig verstanden. Es beginnt damit, dass in einer Gewitterwolke geladene Teilchen voneinander getrennt werden - die positiven wandern nach oben, die negativen sammeln sich im unteren Teil der Wolke an. So entsteht eine Spannung innerhalb der Wolke, zwischen einzelnen Wolken, aber auch zwischen Wolke und dem nicht geladenen Boden. Irgendwann wird die Spannung so groß, dass es zur Entladung kommt.

Dabei entsteht zuerst ein so genannter Vorblitz, der sich von der Wolke auf einem Zickzackkurs einen Weg zum Boden sucht. Der schafft den Blitzkanal, in dem dann später die eigentliche Entladung stattfindet. Kommt die Spitze des Vorblitzes in die Nähe eines Baumes, einer Antenne oder eines Kirchturms, so wächst ihm von dort ein kleines Blitzchen entgegen. Sobald die beiden Äste sich getroffen haben, ist die "Leitung" zwischen Boden und Wolke geschlossen, und der eigentliche Blitz kann sich entladen - mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 000 Kilometern pro Sekunde, also einem Drittel der Lichtgeschwindigkeit.

Im Blitzkanal herrscht dabei eine Temperatur von 30 000 Grad. Die Entladung pflanzt sich tatsächlich von unten nach oben fort. Die Ladungsträger fließen aber selbstverständlich immer vom negativen Pol zum positiven, also von der Wolkenunterseite zur Erde.

Mit einem Hauptblitz ist es meistens nicht getan. Nach dem ersten Hauptblitz folgt ein kleinerer von oben nach unten und dann wieder ein großer von unten nach oben. Die mehrfachen Entladungen nehmen wir manchmal als Flackern wahr, das gesamte Spektakel dauert wenige Zehntelsekunden. Fazit: Wenn man mit "Blitz" die sichtbare Hauptentladung meint, dann geht der Blitz tatsächlich von unten nach oben. Christoph Drösser

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