Was die internationalen Aktienmärkte von der Fusion zwischen Hewlett-Packard (HP) und Compaq halten, können gewiefte Online-Broker zu Hause an ihrem Bildschirm lesen. Wenn die Fusion nächste Woche wie geplant beschlossen wird, bekommen die Compaq-Aktionäre HP-Aktien zum vereinbarten Umtauschverhältnis von 0,6325. Wer an die Fusion glaubt, spekuliert in diesen Tagen darauf, dass die Compaq-Aktie an diesem Umtauschverhältnis klebt. Wer nicht daran glaubt, wettet dagegen. Im Augenblick zappelt der Compaq-Kurs wild auf und ab: Ein klares Zeichen, dass erbittert gekämpft wird.

Doch wozu braucht man Kurven, wenn es echte Dramen gibt? In den Medien dies- und jenseits des Atlantik ist der Streit um die Fusion längst zur Persönlichkeitsshow geraten. Auf der einen Seite steht die ehrgeizige Carly Fiorina - Chefmanagerin des Traditionsunternehmens Hewlett-Packard, das sein Geld vor allem mit Druckern und Scannern verdient. Mit Compaq will sich HP ein Unternehmen einverleiben, das viel von Personalcomputern und großen Firmencomputern versteht - für Fiorina eine Chance, zur ebenbürtigen Konkurrentin für IBM aufsteigen. Als sie 1999 als Außenseiterin zu HP stieß, hatte sie erklärt, sie wolle dem Unternehmen wieder den Schwung der New Economy einhauchen. Hewlett-Packard solle "zurück in die Garage".

Auf der anderen Seite steht Walter Hewlett, der so aussieht, als komme er genau dorther. Der Sohn des Kofirmengründers Bill Hewlett mit den strubbeligen Haaren und dem braven Ingenieursblick liefert der Chefin seit Monaten einen erbitterten Kampf gegen die Fusionspläne. Von Compaq hält er nichts und erst recht nichts von der geplanten Entlassung von 15 000 Mitarbeitern. 21 Prozent der Investoren hat er bislang hinter sich gebracht.

Zum Wochenbeginn schlug sich der riesige US-Pensionsfonds Calpers auf seine Seite. Es ist ein Kampf um "das Herz und die Seele" des Unternehmens, wie es das Compaq-Vorstandsmitglied Thomas J. Perkins ausdrückte.

Seit Wochen schalten beide Seiten ganzseitige, geschliffene Zeitungsanzeigen, sie gehen auf Aktionärs-Roadshow und beschäftigen juristische Teams zur schnellen Reaktion auf Vorwürfe und Verleumdungen. Hewlett hat die Internet-Seite votenohpcompaq.com reserviert, Carly hält mit votethehpway.com dagegen. Das HP-Lager schreibt zickige Briefe an die Aktionäre ("Vielleicht haben Sie kürzlich von einem so genannten 'Plan' Walter Hewletts gehört ...")

und lässt gegenüber Analysten süffisante Bemerkungen über Hewlett fallen ("ein guter Musiker"). Walter Hewlett ließ zwischendurch eine Bombe platzen: Die Chefs von HP und Compaq hätten sich für die Zeit nach der Fusion riesige Entlohnungspakete versprochen. HP dementierte, Hewlett legte zum Beweis interne Vorstandspapiere auf den Tisch, und jetzt wirft der gesamte HP-Vorstand seinem abtrünnigen Mitglied "Missbrauch seiner Stellung" vor.

Die Investoren interessieren sich für den Personenstreit allerdings nur in Maßen - sie müssen sich für eine der beiden Strategien entscheiden, und so richtig originell ist keine davon. Carly Fiorinas Fusionsplan ist noch ganz vom Fusionsfieber der späten neunziger Jahre geprägt: Sie will Geschäftsbereiche bündeln, Kosten sparen und Leute entlassen. Ein Zusammenschluss gemäß den Gesetzen der industriellen Massenproduktion: Schließlich hat Computerherstellung immer weniger mit High-Tech und hohen Margen zu tun und immer mehr mit der Fertigung von Fernsehern und Kühlschränken.