Ein Mann gibt auf - oder fängt er neu an? Seit drei Legislaturperioden vertritt Siegmar Mosdorf seinen Wahlkreis Esslingen im Bundestag, fast vier Jahre war der SPD-Mann Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Jetzt verabschiedete er sich von seinem Job im Ministerium, wird auch nicht für den nächsten Bundestag kandidieren. Er ist gerade 50 Jahre alt geworden und will als Vorstand der Unternehmensberatung CNC etwas Neues anfangen. Ein nicht alltäglicher Schritt für einen Berufspolitiker seiner Altersklasse - und das gerade ein halbes Jahr vor dem Ende der Legislaturperiode.

Im Spätsommer vorigen Jahres habe er sich entschieden, sagt Mosdorf, er wolle nicht zu den Leuten gehören, "die so lange im Parlament sitzen, dass man sie heraustragen muss". Am liebsten hätte er gleich aufgehört, aber der Kanzler habe ihn überredet, erst noch ein paar wichtige Dinge abzuwickeln. Jetzt hat er das großzügige Büro im Ministerium mit einem schmalen Abgeordnetenzimmer vertauscht und denkt an seinen künftigen Arbeitsplatz am Münchner Stachus. Er finde, so schrieb er seinen Wählern, "dass von einer größeren Durchlässigkeit zwischen Staat und Wirtschaft beide Seiten etwas haben".

Lange sah alles nach einer Politikerkarriere aus, die stetig nach oben verläuft. Nach dem Studium in Konstanz und dem Abschluss als Diplomverwaltungswissenschaftler geht Mosdorf 1978 zur IG Metall in Stuttgart. Drei Jahre später wird er Landesgeschäftsführer der SPD Baden-Württemberg. 1990 kommt er erstmals in den Bundestag, bei der zweiten Wiederwahl 1998 schafft er es sogar, in seinem Wahlkreis Esslingen das Direktmandat mit 46,9 Prozent für die SPD zu erobern. Die Belohnung: Ernennung zum Staatssekretär und Koordinator der Bundesregierung für die Deutsche Luft- und Raumfahrt.

Zweimal in den vergangenen Jahren stand seine Ernennung zum Verkehrsminister zur Debatte - es wurde nichts daraus. Stattdessen gab es einen Knick in der Karriere des Siegmar Mosdorf. Er wollte als SPD-Spitzenkandidat in den Wahlkampf gegen den baden-württembergischen CDU-Ministerpräsidenten Erwin Teufel ziehen. Auch Ute Vogt, Fraktionskollegin im Bundestag und Hoffnungsträgerin der süddeutschen Sozialdemokraten, bekundete ihre Ambitionen. Bei der Kampfabstimmung hatte Mosdorf nicht den Hauch einer Chance gegen die forsche Motorradfahrerin aus Pforzheim. Die deutliche Niederlage muss ihn getroffen haben. Bald darauf gab er seinen Rückzug aus Berlin bekannt.

Ein waschechter Sozi war der smarte, in Hamburg aufgewachsene Mosdorf nie.

Keine proletarische Herkunft, kein Stallgeruch, kein klassenkämpferisches Gehabe. Zwar versichert er: "Ich will keine Ellbogengesellschaft." Aber deswegen gleich den Antikapitalisten mimen? Als "liberaler Sozialdemokrat" hat sich Mosdorf des öfteren eingeordnet. Damit stand er für manchen in der SPD-Fraktion den Bossen zu nahe und den Arbeitnehmern zu fern.

Nun ein neuer Beruf, und gleich wird er Teilhaber eines Start-up. CNC, The Communications & Network Consulting AG, kümmert sich um "strategische Kommunikation für global agierende Unternehmen". Ein weites Feld - seine neue Firma soll interkulturelle Barrieren überwinden, Präsentationen vor Kapitalmarktkunden aus aller Welt erarbeiten oder internationale Unternehmensfusionen vorbereiten. Vorstandschef Christoph Walter ist ein alter Hase im Geschäft - er betrieb das Kommunizieren bei Reemtsma und DaimlerChrysler professionell