Dass ihn die meisten seiner Kollegen für einen Spinner oder Scharlatan halten, nimmt Walter von Lucadou "mit einem gewissen Vergnügen" zur Kenntnis.

Und dass er mit seinen Theorien wissenschaftlich zwischen allen Stühlen sitzt, ist für ihn geradezu Programm. Denn der Physiker und Psychologe hat sich der Parapsychologie verschrieben. Diesen Seitentrieb der Wissenschaft gibt es seit gut hundert Jahren, und er befasst sich - wie die griechische Vorsilbe para für "neben" oder "jenseits" anzeigt - mit ebenjenen abseitigen oder außergewöhnlichen Phänomenen, um die die übliche Wissenschaft einen großen Bogen schlägt. Diese so genannten Psi-Phänomene will von Lucadou wissenschaftlich dingfest machen. Und da sich deutsche Universitäten mit diesem Anliegen schwer tun, hat er sich seine eigene Institution geschaffen.

Seit über zehn Jahren leitet er in Freiburg die Parapsychologische Beratungsstelle - die einzige Anlaufstelle für alle, die mit dem Unerklärlichen konfrontiert wurden. Denn gleichgültig, ob Psi-Phänomene nun existieren oder nicht - mit Sicherheit gibt es Menschen, die darunter leiden.

Sie sehen Gespenster, in ihren Häusern fliegen die Möbel umher, sie hören Botschaften aus dem Jenseits oder werden von Ahnungen und Wahrträumen geplagt.

Mit derart Heimgesuchten beschäftigen sich natürlich auch normale Psychologen

von Lucadou unterscheidet sich von ihnen dadurch, dass er nicht nur die Menschen ernst nimmt, die solche Erlebnisse haben, sondern auch die Erlebnisse als solche. Mit der unausbleiblichen Folge, dass er seinerseits von der Zunft der Psychologen und Kognitionsforscher nicht mehr ernst genommen wird.

Aber wer so häufigen Kontakt mit dem Jenseits hat ("Im Schnitt kommt alle zehn Tage ein Spukfall zu mir"), lässt sich von Skepsis im Diesseits nicht einschüchtern. Denn seine Freiburger Gespensterpraxis wird reichlich in Anspruch genommen. Über 3000-mal pro Jahr erhält er Anrufe von Leuten, die irgendwie beunruhigt sind und fürchten, dass man ihnen anderswo nicht glaubt.