Es bedarf dieser Vorbemerkung, um zu verstehen, in welcher Umgebung Andreas Plack seinen grauenhaften Plan entwickelte. Einen Plan, den heute alle als unglaublich dumm bezeichnen, aber von dem Andreas Plack dachte, es sei ein Geniestreich. Am Ende lag er tot im Gras, zwischen Apfelbäumen, die in Südtirol so häufig sind wie anderswo Zuckerrohr.

Die Polizisten standen ratlos vor der Leiche Placks, die am Morgen des 28. November vergangenen Jahres von einem Spaziergänger gefunden worden war. Der Plack, wie es heißt, war den Behörden bekannt: "Überall, wo Rauch aufging, war er!" Er war immer da, wo was los war. Er ermittelte sozusagen in eigener Sache, denn der 23-jährige Plack hatte eine Leidenschaft für das Detektivische. Sein Traum war es gewesen, Polizeibeamter zu werden, Kommissar vielleicht wie eine der Spürnasen aus den Fernsehserien.

Aufspüren, Kombinieren, Verhaften - in diesem Dreischritt hätte sich sein berufliches Leben vollziehen sollen. Er hatte sich um die Aufnahme in den Polizeidienst bemüht und war wegen Fettleibigkeit abgelehnt worden. Das war ein Schlag für ihn gewesen. Aber wie es mit Leidenschaften so ist: Er konnte es nicht lassen.

Er bot sich der Polizei immer wieder als Mitarbeiter an, vergeblich. Er arbeitete einige Zeit für ein Detektivbüro. Er beschattete untreue Ehepartner. Bis kurz vor seinem Tod war er noch in dem Bozner Kaufhaus Upim als Hausdetektiv tätig. Viel mehr gab es nicht zu tun für einen mit diesen Interessen und mit geringer Ausbildung. Südtirol bot nicht den Platz für eine große Karriere als Ermittler. Das Land lebt ja im Windschatten der Gegenwart, mittendrin ist es nur auf der Landkarte und in den Köpfen der Heimatverliebten. Da kann sich einer leicht eingeklemmt fühlen, wenn er einen Traum hat, und sei es auch nur der, ein erfolgreicher Verbrecherjäger zu sein.

Den Plack kannten viele, da er unterwegs war in Kneipen und Discos, wo er mitunter als Rausschmeißer arbeitete, in Pizzerien und Nachtlokalen. Er war einer von denen, die von Soziologen das Etikett "nicht angepasst" angehängt bekommen, weil sie nicht recht mitgekommen sind in einer Gesellschaft, die vor wenigen Jahrzehnten noch bäuerlich und arm war, heute aber wohlhabend ist und modern sein will. Weil diese Leute aus einer rasanten Entwicklung rausgefallen und hängen geblieben sind wie Fische in einem Tümpel ohne frische Wasserzufuhr. Plack war nur einer unter vielen in Südtirol, ein Skiliftbediensteter, ein Saisonkellner, ein Hilfsarbeiter - einer von denen, die nicht überflüssig sind, aber auch nicht wirklich gebraucht werden, leicht ersetzbare Verschiebemasse. Wer Plack kannte, der sagte von ihm, er sei ein "takter Hegel" - ein netter Kerl, alles in allem harmlos.

Nun lag er da mit einem nahezu vollständig abgetrennten Bein, tot, wenige Meter von der Auffahrt zur Schnellstraße Bozen-Meran entfernt. 120 Kilo schwer, 1,90 Meter groß, ein Baum von einem Mann. Der Gerichtsmediziner Eduard Egarter Vigl brachte die Polizei auf die Tatwaffe: eine Motorsäge. Später beschrieb er einer lokalen Tageszeitung die Wunde an Placks Unterschenkel mit dem kalten Auge des Profis:

"An der Innenseite des linken Oberschenkels, ungefähr fünf Zentimeter oberhalb des Kniegelenkes, war die Hose vollständig zerfetzt. Und das gesamte linke Hosenbein war mit Blut durchtränkt. Auf der Innenseite des linken Schenkels war eine schwerwiegende Schürfverletzung vorhanden. Und zwar hat diese Schürfverletzung etwa 10 Zentimeter oberhalb der eigentlichen Wunde begonnen. Auf der Haut waren Querstreifen zu sehen, klare Anzeichen dafür, dass mit einem scharfen Gegenstand drübergeraspelt worden ist. Weiters war eine klaffende Wunde vorhanden, die sehr tief war und bis auf den Knochen ging. Der Knochen war in ganz typischer Weise scharfkantig durchschnitten. Das heißt, dass der Knochen, der die Form eines Schaftes hat, mit einer 7 Millimeter breiten Säge durchgesägt worden ist, wobei ungefähr 1,5 Zentimeter des Knochens stehen geblieben sind. Es ist also zu keinem Bruch gekommen. Das war der Schlüssel zur Ermittlung der Tatwaffe."