Auf einer internationalen Medizinerkonferenz erregte der Hals-Nasen-Ohren-Arzt Jack M. Gwaltney von der University of Virginia vor drei Jahren Aufsehen, als er in einem Vortrag tatsächlich davon abriet, die Nase zu schnäuzen. Ein konsternierter Arzt im Publikum fragte: "Sagen Sie also Ihren Patienten, sie sollen schnüffeln und schlucken?" Und ein anderer soll das Volkslied Greensleeves gesummt haben.

Gwaltney und seine Kollegen hatten in einer klinischen Studie den Innendruck in der Nase beim Schnäuzen gemessen. Der ist zehnmal so hoch wie beim Niesen und reicht tatsächlich aus, den mit Krankheitserregern durchsetzten Nasenschleim in die Nebenhöhlen zu treiben, wo er einen gefährlichen Infektionsherd darstellt. Das wurde auch durch computertomografische Untersuchungen nach Verabreichung eines ungefährlichen Ersatzschleims bestätigt.

Wohlgemerkt: Es geht um das starke, trompetende Schnäuzen der Nase. Gegen ein vorsichtiges Ausschnauben werden auch die amerikanischen Experten nichts einzuwenden haben. Mit ihrer Empfehlung, das Sekret im Zweifelsfall hochzuziehen, sind sie im Übrigen nicht allein: Auch der deutsche Arzt Wolfgang Elies, Chef der Bielefelder HNO-Klinik, empfiehlt diese nicht von jedermann als appetitlich empfundene Methode. Das übermäßige Schnäuzen sei eine "mitteleuropäische Unsitte". Christoph Drösser

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