"Ja, in diesen Tanks werden Sie wunderbar floaten", sagt Kirsten Otto, die nette Frau von Samudra, und lächelt noch immer. Genau, floaten: schweben in 30-prozentiger Salzlake, die 35 Grad warm ist. "Sie werden sich fühlen wie im Toten Meer." Und alles wird vergessen sein, was die Zivilisation je an Zipperlein hervorgebracht hat: Floaten normalisiert den Blutdruck, stärkt das Immunsystem, lindert Schmerz und reduziert Stress, na klar. Die Geschäftsführerin Petra-Andrea Block-Funken sagt: "Eine Stunde floaten ist so wertvoll wie drei Stunden Schlaf." Und fügt hinzu: Samudra sei das einzige "Floating-, Coaching- und Massage-Center" in Deutschland. Eine echte Neuheit. Nach Paris, London, Amsterdam nun hier, mitten in Köln, Brabanter Straße.

Hilfe, hat eine Freundin gesagt, nebenan arbeitet mein Zahnarzt. Hilfe, hab ich gedacht, schön ist das nicht: Im Salzwasser baden und sich vorstellen, auf der anderen Seite der Wand sind Münder aufgesperrt, surren Hochgeschwindigkeitsbohrer, und der Doktor sagt: "Schwester, die Spritze, bitte". Man weiß ja, wer fernöstlich draufkommt, spürt schlechte Schwingungen. Aber Frau Otto lächelt sanft, und ich sehe mich um und weiß: Schlechte vibes haben hier keine Chance. Alles ist hell, warm, ruhig, aus Holz und Rattan und Milchglas. Ein Buddha aus Ton steht herum, ein kleiner Schiwa; hier muss man sich einfach wohlfühlen. Und obwohl ich kein Schlagerfan bin und auch sonst nicht spinne, trällert plötzlich tief in mir Ein bisschen Frieden von Nicole und geht nicht mehr weg.

Vaseline? Vaseline!

"Schauen Sie", sagt die lächelnde Frau Otto, "da haben wir nun alles, was Sie so brauchen." Was ich so brauche, heißt: große Handtücher, kleine Handtücher, Bademantel, Duschgel, Shampoo, Vaseline. Vaseline? "Falls Sie kleine Risse in der Haut haben", sagt sie, "Salzwasser, hm, das brennt sonst." Ach ja. "Und wenn was ist, hier auf den Knopf drücken, dann können wir reden. Viel Spaß dann."

Also lege ich mich in den orangefarbenen Indus-Tank, der innen blau ist, und begebe mich auf die Reise in mein Innerstes. Dorthin, wo die tiefe körperliche Entspannung ruht und die geistige Klarheit. "Wo das weite Meer und unsere Welt immer wieder neu geboren werden", sagt Bruno Engel, der es wissen muss, denn er ist Coach bei Samudra. Doch erst mal ist alles ruhig. Kein Geräusch dringt von draußen herein, der Kanister ist schallisoliert. Leicht kitzelt das Salz in der Nase. Ein letztes Mal noch, weil ich ja alles richtig machen will, rattere ich die Theorie des Floatens herunter: im Tank seine Mitte finden, einfach loslassen, nichts tun, den Atem hören, gar fühlen, den Bauch rumoren lassen, den Autopiloten im Gehirn einschalten und die Abermilliarden von Nervenzellen darin einfach mal Abermilliarden von Nervenzellen sein lassen. Mein Körper wird im Wasser schweben und mein Geist in der Unendlichkeit seines Universums.

Ich breite meine Arme aus, nach links, nach rechts, strecke die Beine. Platz ist genug; es braucht kaum Bewegung, um in der Salzlake hin und her zu schwingen. Ein traumhaftes Gefühl. Dunkelheit. Leise säuselt jetzt Musik aus dem Lautsprecher, ganz langsame, die plingplingling macht, und sphärisch gluckst eine Frauenstimme. Als das Floating-Center vor sechs Wochen eröffnete, sprach Günter Schmale, Doktor der Medizin, Apotheker und Naturheilkundler, den Satz: "Hier ist der Platz, wo wir die Kunst, in Untätigkeit, in diese Ruhe abzusinken, wieder erlernen können." Und weil Doktor Schmale auch sonst hin und wieder dem Kölner Express nützliche Tipps aufschreibt, zum Beispiel, wie man Warzen unterm Fuß mit Bananenschale bekämpft, dachte ich: Untätigkeit klingt gut, die will ich lernen.

Ruhe in der Alpha-Frequenz