Eigentlich ist Roland Berger Unternehmensberater. Seine Firma ist - nach dem US-Konkurrenten McKinsey - die größte in Deutschland und in Europa. Die sechstgrößte in der Welt. Man könnte meinen, das laste einen Mann gut aus.

Tatsächlich ist Roland Berger viel mehr als das. Er berät den Kanzler (Gerhard Schröder) und den Kandidaten (Edmund Stoiber), DaimlerChrysler und die Telekom, die Salzburger Festspiele und den FC Bayern München. Nur zum Beispiel. Der Mann ist - auch ohne Auftrag - stets dabei, wenn die Großen aus Politik und Wirtschaft das Wohl des Landes an runden Tischen mehren. Außerdem ist er ein produktiver Publizist und von allen Blättern gern gefragter Interviewpartner. Kurzum: Roland Berger ist ein überaus öffentlicher und überaus einflussreicher Mann. Wo die Macht ein Gesicht hat, trägt sie seine Züge.

Sein Büro verrät nichts von alledem. Es ist unprätentiös, beinahe lieblos eingerichtet. Allein die Kunst an den Wänden erlaubt Rückschlüsse auf den, der hier sitzt. Derzeit hängen dort Werke der vor fast zehn Jahren verstorbenen Amerikanerin Joan Mitchell und von Enzo Cucchi, dem noch sehr lebendigen Vertreter der italienischen Transavanguardia, einer freundlich-wunderlichen Kunstrichtung, über die sich der Hausherr sogleich aus dem Stegreif verbreitet.

Sitzt hier der heimliche Herr der Deutschland AG? Jenes halb fiktiven, sagenumwobenen und doch irgendwie existenten Riesennetzes, das Industrie, Banken und Versicherungsgesellschaften übers Land geworfen haben - ein klebriges Geflecht aus wechselseitigen Beteiligungen und Interessen.

Natürlich kennt er sie alle, die, die das Netz geknüpft haben, Investoren und Politiker inklusive. Er sagt: "Ich bin nicht in ein Netzwerk hineingeboren."

Dass ihn das Magazin Business Week "the best connected man in Germany" genannt hat - den Mann mit den besten Verbindungen - sei "das Ergebnis eines langen Beraterlebens". Beratung erschöpfe sich ja nicht in Analyse und Konzept. "Während einer längeren erfolgreichen Beratung entsteht schließlich ein Vertrauensverhältnis." Aber die Spinne im Netz, der heimliche Herr dieses Verbundes? "Das würde ich für übertrieben halten."

Für eine Gleichsetzung seiner Connection mit der Deutschland AG gälte diese Einschätzung wohl erst recht. Denn jenes große Gebilde ist so gar nicht nach seinem Geschmack: "Ich bin sehr dafür", sagt er, "die Deutschland AG im Sinne des alten, intransparenten Korporatismus, in dem man sich gegenseitig Vorteile zuschiebt und Kritik fernhält, aufzulösen." Das findet freundliche Unterstützung mittlerweile auch beim Finanzminister: Seit Beginn dieses Jahres bleiben Beteiligungsverkäufe unter gewissen Bedingungen steuerfrei.