Bob Stempel findet es seit dem 11. September deutlich schwieriger, die Umwelt zu retten. Der ehemalige Chef des Automobilriesen General Motors ist heute der Chairman einer kleinen Firma namens Energy Conversion Devices (ECD), die Brennstoffzellen für umweltfreundliche Autos der Zukunft entwickelt. Zu seinen Präsentationen über die "Wasserstoffwirtschaft" trug Stempel früher immer eine Arbeitsprobe mit sich herum, eine kleine Platte von der Größe einer CD - unscheinbar, aber voll geladen mit Wasserstoff. "Seit ich damit jetzt mehrfach am Flughafen von den Sicherheitskräften gestoppt wurde, lasse ich die zu Hause", sagt Stempel.

Richtig schlimm ist das aber nicht: Der Mann braucht nämlich nicht mehr ganz so viel Überzeugungskraft wie früher. Firmen wie ECD gelten neuerdings sogar als Vorhut im Krieg gegen den Terrorismus. Zwei Drittel der Weltölreserven lagern schließlich ausgerechnet im Nahen Osten - was die öldurstige Supermacht Amerika verletzlich macht. Um die Abhängigkeit von der politisch instabilen Region zu lockern, verkündete US-Energieminister Spencer Abraham bei der Detroiter Automesse sein neuestes Energiesparprogramm: das Freedom Car - ein Vehikel, das von Wasserstoff und Brennstoffzellen angetrieben wird und ganz ohne Benzin auskommt. Technik, wie Stempel sie mitentwickelt.

Die Sache hat allerdings zwei Haken. Erstens will die Bush-Regierung offensichtlich keinen Druck auf die Unternehmen ausüben, schneller zu forschen und zu entwickeln; dem Energiesparprogramm fehlt ein verbindlicher Zeitplan. Und zweitens glaubt nicht einmal Bob Stempel, dass Zellenfahrzeuge in den kommenden zehn Jahren in großer Zahl auf der Straße fahren werden.

"Das Freedom Car verbessert im kommenden Jahrzehnt gar nichts", beschwert sich Steven Nadel, Chef des American Council for an Energy Efficient Economy in Washington. Zumal die Regierung dafür ein anderes Programm aus der Clinton-Ära namens Partnership for a New Generation of Vehicles gestrichen hat. Das sollte herkömmliche Benzinautos sparsamer machen, sehr bald schon.

Für die amerikanischen Klimaschützer passt die Erfahrung mit dem Freedom Car bestens ins Bild. Die Bush-Regierung bekenne sich zwar in Sonntagsreden zum Energiesparen und zur sauberen Luft - aber wenn es hart auf hart komme, gebe sie den Interessen von Big Business den Vorzug. Die einflussreiche Umweltorganisation Natural Resources Defense Council (NRDC) wittert bereits einen "heimlichen Angriff der Bush-Administration" auf die amerikanischen Umweltgesetze.

Heimlich? Tatsächlich macht US-Präsident George W. Bush keinen Hehl aus seiner Geringschätzung des Umweltschutzes. So setzte er dem Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz sein wenig hilfreiches Global Climate Change Program entgegen. Der amerikanische Treibhausgasausstoß darf danach steigen wie bisher.

Um den stromhungrigen Amerikanern mehr Elektrizität zu verschaffen, erklärte die Bush-Administration frühzeitig, dass sie im ganzen Land mindestens 1300, vielleicht aber auch 1900 neue Kraftwerke bauen lassen wolle. Mit Zuschüssen fördert die Regierung inzwischen die besonders schmutzigen Kohlekraftwerke, will womöglich im großen Stil die Atomenergie wiederbeleben und ist wild entschlossen, trotz Sicherheitsbedenken und Terrorgefahr, eine Endlagerstätte für Nuklearmüll durchzupauken. Gleichzeitig versucht die Administration, den Clean Air Act aufzuweichen, der ältere Kraftwerke bei jedem Um- oder Ausbau zu mehr Umweltschutz verpflichtet. Ende Februar trat deshalb der Aufsichtschef der Umweltbehörde EPA, Eric Schaeffer, unter Protest zurück. "Wir kämpfen hier gegen ein Weißes Haus an, das entschlossen zu sein scheint, unsere Regeln zu schwächen", erklärte er.