Joschka Fischer: Weder noch. Es ist der ge-fährlichste Konflikt in unserer unmittelbaren Nachbarschaft, der den ganzen Nahen Osten in Brand setzen könnte. Zudem haben wir Israel gegenüber besondere Beziehungen, die sich aus unserer Geschichte ergeben. Als Europäer, als Deutsche haben wir ein Interesse daran, dass der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern nicht eskaliert, sondern zumindest zu einer Koexistenz, wenn nicht gar zu einem Miteinander der beiden Völker führt.

Der 11. September hat die Notwendigkeit der Lösung dieses Konfliktes noch verstärkt. Das ist der Ausgangspunkt, von dem aus wir anfangen weiterzudenken: Was folgt am Ende der israelischen Militäroperation? An erster Stelle geht es um den Erfolg der Powell-Mission: Waffenstillstand, Rückzug der Armee, Umsetzung der einschlägigen Sicherheitsratsresolutionen müssen der erste Schritt sein.

ZEIT: Noch im Februar haben Sie gesagt, alle weiter gehenden Pläne würden das "Stadium des bedruckten Papieres nie verlassen". Warum denken Sie im April 2002 anders?

Fischer: Weil sich die Lage dramatisch verändert hat. Im Februar stellte sich die Frage, ob die beiden an der Spitze ...

ZEIT: ... Scharon und Arafat ...

Fischer: ... in der Lage sind, den notwendigen politischen Willen zu mobilisieren, aufeinander zuzugehen. Dann kam eine erneute schreckliche Anschlagsserie. Der Ausstieg aus der Spirale der Gewalt ist nicht gelungen. Und es ist völlig klar: Das israelische Volk war und ist nicht bereit, die Gewalt hinzunehmen. Keine Regierung würde das hinnehmen können. Jetzt stellt sich die Frage: Schaffen es die beiden Parteien noch aus sich selbst heraus? Das sieht nicht so aus. Wir brauchen das Engagement einer dritten Partei. An erster Stelle die USA, aber auch die Europäer und andere Mitglieder der internationalen Staatengemeinschaft wie Russland und der UN-Generalsekretär.

ZEIT: Wieweit ist Ihr Siebenpunktepapier mit jenen "anderen Mitgliedern der Staatengemeinschaft" abgesprochen worden?