Bundesinnenminister Otto Schily will die Verwendung von Fingerabdrücken oder anderer biometrischer Merkmale in Ausweisen und Visaanträgen prüfen. "Wir werden uns in Kürze in einem Workshop einen Überblick darüber schaffen", sagt Schily in der ZEIT, "was technisch möglich ist, wie viel es kosten wird, welcher organisatorische Aufwand damit verbunden ist und in welchen Bereichen es sinnvoll ist."

Schily räumt ein, dass in den deutschen Geheimdiensten immer noch Leute fehlen, die die arabische Sprache verstehen und sich in islamistische Terroris-ten hineindenken können. "Zum großen Teil müssen wir die Leute erst zu Experten ausbilden", sagt Schily. "Das wirft stellenweise kurzzeitig Probleme auf." Islamistische Terroristen würden ihre Gespräche und Botschaften "immer komplizierter verschlüsseln. Das bereitet uns, ich sage das sehr vorsichtig, neue Schwierigkeiten".

Der Bundesinnenminister findet es "empörend", dass auf einer Berliner Palästina-Demonstration ein Kind die Attrappe eines Sprengstoffgürtels trug. "Das darf nicht ohne Folgen bleiben", sagt Schily. "Ich wäre froh, wenn die Palästinenser, die bei uns das Gastrecht in Anspruch nehmen, einen Beitrag dazu leisten würden, dass solche menschenfeindlichen Kundgebungen einzelner unterbleiben." Allerdings könne er nicht nur das Trauma der Israelis verstehen, "sondern auch das der Menschen, die unter einer 35-jährigen Besatzung leben, die abhängig sind, von der Macht eines anderen".

Otto Schily hofft, dass der Anschlag von Djerba das Klima für ein Zuwanderungsgesetz nicht ändern wird. Man könne nicht zurückfallen "in die Abschottungsideologie eines Herrn Kanther und eines Herrn Kohl".

"Die Palästinensische Autonomiebehörde unter Jassir Arafat sollte mit Israel verhandeln und die Politik der Gewalt beenden", sagt Sari Nusseibeh, Vertreter Arafats in Jerusalem, der ZEIT. Der 52jährige Philosoph und Präsident der Al-Quds-Universität verurteilte die palästinensischen Selbstmordattentate als moralisch illegitim und politisch "kontraproduktiv". "Ich bin immer noch überzeugt, dass Frieden möglich ist", sagt Nusseibeh, "mit zwei Staaten und zwei Völkern Seite an Seite".

Im Streit um die umstrittene Anschaffung eines Millionen teuren Programms des Softwareherstellers SAP hat Schleswig-Holsteins Ministerpräsidentin ihren Landtag falsch informiert. Für die Finanzbuchhaltung des Landes hatte Heide Simonis die Entscheidung Schleswig-Holsteins mit der Behauptung verteidigt, fast alle anderen Bundesländer seien inzwischen dem Vorbild ihres Landes gefolgt und arbeiteten ebenfalls mit SAP. Wie DIE ZEIT berichtet, trifft das aber nur für vier Bundesländer zu: Außer Schleswig-Holstein sind es Hamburg, Bremen und Baden-Württemberg.

Die deutschen Geheimdienste und Sicherheitsbehörden stehen den professionell organisierten und konspirativ arbeitenden Netzen islamistischer Gruppen unvorbereitet und hilflos gegenüber. Wie der Baden-Württemberger Verfassungsschützer und Islamwissenschafter, Dr. Landolin Müller, in der ZEIT bilanziert, haben die deutschen Politiker zehn Jahre lang die Gefahren durch islamistische Gruppen in Deutschland ignoriert. Sicherheitsexperten bestätigten der ZEIT, dass Deutschland für islamistische Gruppen zum Ziel geworden sei. Den Behörden liegen Hinweise vor, dass Anschläge hierzulande geplant seien.