Hoch gewachsene, in Kilts herausgeputzte Diener kreuzen geschäftig die große Halle. Der Butler reicht Herrschaften, die vom Golfplatz und von den Reitställen zurückkommen, auf einem silbernen Tablett Gläser voll bernsteinfarbenem Whisky. Der Duft frisch geschnittener Blumen aromatisiert die Luft. Abends werden die Hausgäste zu keltischen Klängen über das Parkett wirbeln. Sie geben sich dem glücklichen Leben im Hochland hin, dem romantischen Zauber Schottlands, dem Madonna erlag, als sie im Dezember vorletzten Jahres hier ihren Herzensprinzen ehelichte.

Bevor Sie weiterlesen, ein paar Gewissensfragen. Verfügen Sie über ein Einkommen, das Sie gesellschaftlich zu Höherem ausersieht? Sind Sie bereit, jährlich 3000 Pfund plus 17,5 Prozent Mehrwertsteuer auszugeben, um diesem erlesenen Kreis anzugehören? Zur Erinnerung: Ein Pfund sind mehr als eineinhalb Euro. Können Sie es sich leisten, darüber hinaus 575 Pfund für jeden Tag abzudrücken, den Sie hier verbringen? Dann kann ich nur sagen: Welcome to Skibo Castle.

Wir waren in unserem von Rost angefressenen und vom Sonnenlicht verblichenen Landrover vorgefahren. Hinten drinnen lagen wie üblich ein Sack Tierfutter und Gummistiefel und zerschlissene Regenjacken. Der hoch gewachsene Diener, der unser Gepäck aufs Zimmer bringen sollte, stand ratlos vor dem Durcheinander. Eine Empfangsdame bat höflich um den Zündschlüssel. Die Wagen, sagte sie, würden anderswo geparkt. Es war dann aber nur unser Landrover, der hinter die Stallungen verbannt wurde. Porsches und Range Rovers blieben neben dem prächtigen Portal stehen.

Dudelsackpfeifer als Weckdienst

Butler James beruhigte uns. Wir seien zwar die ersten Besucher, die in einem Landrover vorfahren, sagte er, aber er fände das ganz in Ordnung. James, merkten wir bald, ist jedermanns Darling. Er bewegt sich in einer Art Passgang durch die Räume. Ständig huscht ein schelmisches Grinsen über seine Züge. Er versorgt jeden, vor allem aber die Weiblichkeit, mit Whisky. Nie lässt er die Gläser leer werden. Bis zum bitteren Ende. Das ist im Preis inbegriffen. Als eine Dame ihn fragt: »James, wollten Sie mich gestern Abend betrunken machen?«, antwortet er lächelnd: »Madame, das ist meine Aufgabe.«

Trotz der Landrover-Blamage brauchen wir uns um unseren gesellschaftlichen Status nicht zu sorgen. Auf Skibo Castle, klärt uns Clubdirektor David Richardson bei einer Schlosstour auf, zähle nur, was jemand zu sagen habe und ob einer interessante und geistreiche Dinge zur Konversation beitragen könne. Alle Gäste seien Gäste einer Hausparty wie zu Zeiten Andrew Carnegies, der sich 1899 hier zur Ruhe setzte, ein großes Haus führte und Schriften mit so eindrucksvollen Titeln wie Triumphant Democracy und The Empire of Business verfasste. Der Schotte Carnegie war das Urbild eines Selfmademan, der es in den USA vom Haspeljungen in einer Baumwollspinnerei zum zweitreichsten Mann der Welt gebracht hatte. »Eine außerordentliche Persönlichkeit«, lassen wir uns belehren. »Er versuchte, sozialistische und kapitalistische Ideale zu versöhnen. Sein egalitäres Denken ist bis heute unser Leitmotiv.«

Ob es Stipendien für Leute gebe, die sich einen Aufenthalt auf dem Schloss nicht leisten können, will meine Frau wissen. Richardsons bis dahin nicht abreißender Wortschwall stockt. Dann gibt er zur Antwort: »Manche unserer Gäste haben so viel Geld, die könnten ohne weiteres das Schloss kaufen. Andere sparen und knausern, um hierher zu kommen. Es ist ein super Ort. Sie dürfen nicht vergessen, dieser Ort hat auch eine spirituelle Dimension.« - »Eine spirituelle Dimension?« - »Die Ruhe. Man muss sie auf sich wirken lassen. Sie geht einem in Leib und Seele über.«