Man kennt das vom Deutschen Wetterdienst: Da werden vereinzelte Schauer angesagt und einige Böen. Doch ehe man sich's versieht, fliegt einem das Dach vom Kopf, und die Sintflut setzt den Weinkeller unter Wasser. Ähnliches geschah bei unserem Kochwettbewerb. Anfangs dröppelten die Menüs nur peu à peu ins Haus, und die Kollegen in der Redaktion beglückwünschten mich zu dem bequemen Job, den ich da angeleiert hätte. Doch dann, in der letzten Woche vor Einsendeschluss, ergoss sich eine Flut von Menüs in meine Klause, bedeckte Flure und Treppen, sodass ich durch Einsendungen waten musste, um meinen Weinkeller zu erreichen. (Ich weiß, vernünftige Leute flüchten bei Überschwemmung aufs Dach und nicht in den Keller. Aber ZEIT-Leser zum Kochwettbewerb anstiften und dann nicht zur Flasche greifen? Unmöglich!)

Daraus ergibt sich Erkenntnis Nummer eins: Leser, aufgefordert, für mich ein Menü zu kochen, zögern lange.

Dass die Zahl der Menüs beim Einsendeschluss noch unter einer Million lag, führt automatisch zur Erkenntnis Nummer zwei: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben (Berlin, Friedrichstraße 153a).

Die dritte Erkenntnis dürfte nicht wenige überraschen. Sie lautet: Deutschland liegt in China. Und korrekterweise muss ich hinzufügen: auch in Japan (Erkenntnis Nummer 3a) und ebenfalls in Thailand (3b). Denn deutsche Hausfrauen und Hobbyköche kochen asiatisch, wenn sie etwas Besonderes auftischen wollen. Frei nach dem französischen Löffelschwinger André Breton: Dies Menü wird asiatisch sein, oder es wird nicht sein.

Mit meinem speziellen Wunsch nach einem Ingwergericht habe ich offene Türen eingerannt. Sternanis im Rührei und Koriandergrün am Hut gehören heute zum Deutschlandbild wie früher das Hackenzusammenschlagen in der Tanzschule. Herr Siegfried K. nimmt bei jedem Japanbesuch seine Hocho-Messer mit, um sie in Kamakura beim landesbesten Messerschmied schärfen zu lassen. (In Kamakura gibt es einen Bambuswald und einen dicken Buddha, wie mir Herr K. erklärt.)

Ich möchte hier nicht den Eindruck erwecken, bayerische Bäuerinnen stünden bereits mit nackten Beinen in den Reisfeldern von Murnau. Aber die Globalisierung und Multi-Kulti haben Voraussetzungen geschaffen, ohne die die kulinarischen Erfahrungen der ZEIT-Leser nicht möglich wären.

Fast jeder zweite kauft in türkischen und asiatischen Geschäften Dinge, die er bei Edeka nicht findet.