Der Pearl-Harbor-Schock, der Schock des 7. Dezember 1941 saß tief. Und es gab keine Atempause für die USA: Auf dem fernöstlichen Kriegsschauplatz rückten die Japaner an allen Fronten vor. Sie setzen auf die Philippinen über, am 2. Januar 1942 erreichen die Soldaten des Tenno Manila. Sie marschieren in Hongkong und Singapur ein und erobern Anfang März Rangun.

Holländisch-Indonesien wird besetzt, eine Invasion Australiens steht unmittelbar bevor. Zehntausende von demoralisierten US-Soldaten treten nach der Kapitulation der philippinischen Inselfestung Corregidor am 10. April 1942 einen Weg an, der als "Todesmarsch von Bataan" in die Geschichte eingehen wird.

Doch da geschieht etwas, das in Amerika bis heute unvergessen ist. Ein Luftwaffenoffizier der Reserve reißt das bangende Land durch ein Husarenstück aus der Depression: Mit einem kleinen Bombergeschwader stößt er bis nach Japan vor - bis nach Tokyo. Ein unbesiegbarer Feind ist plötzlich verwundbar geworden ...

James H. Dolittle heißt der Mann, geboren 1896 in Kalifornien, gegen Ende des Ersten Weltkriegs noch als Pilot ausgebildet, später am berühmten Massachusetts Institute of Technology (MIT) zum Dr.-Ing. promoviert. In den zwanziger Jahren war er als Flieger-As bekannt geworden, hatte 1922 erstmalig die Distanz Florida-Kalifornien mit nur einem Tankstopp in weniger als 24 Stunden geschafft und in einer Curtiss R3C-2 spektakuläre Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt

1929 unternimmt er gar den ersten Blindflug der Luftfahrtgeschichte. In den Dreißigern als Pilot bei Shell unter Vertrag, war er auch mehrfach nach Deutschland gereist, wo er unter anderem den Fliegerhelden Ernst Udet kennen gelernt hatte. Doch die friedlichen Aufbruchjahre der Luftfahrt (die der kriegerischen Pionierzeit im Ersten Weltkrieg gefolgt waren), sind bald zu Ende.

Bereits unmittelbar nach dem verheerenden Angriff der Japaner auf die US-Basis Pearl Harbor bedrängt Präsident Franklin D. Roosevelt seine Berater mit der Forderung, Japan so bald wie möglich zu attackieren. Das Ceterum censeo des Präsidenten sickert durch den militärischen Apparat und findet einen zufälligen Adressaten, den Marineoffizier Francis Low. Dieser beobachtet das allgemeine Treiben in der Marinebasis Norfolk, sieht einen neuen Flugzeugträger und konfrontiert seinen Chef mit einer so simplen wie genialen Idee: Bomber mittlerer Reichweite per Flugzeugträger in die Nähe der japanischen Hauptinseln zu befördern und sie dann losfliegen zu lassen. Da solche Bomber von dem Träger aus zwar mit Glück starten, wegen der kurzen, nur für Kampfflugzeuge geeigneten Bahn aber nicht auf das Trägerdeck zurückkehren können, sollen sie nach der Operation Richtung China weiterfliegen und in dem Teil landen, den Amerikas Verbündeter Chiang Kai-shek beherrscht. Die Flugzeuge müssten 450 bis 650 Seemeilen (also etwa 800 bis 1200 Kilometer) vor Japan starten, um nach dem Einsatz auch noch die 1200 Seemeilen (2200 Kilometer) bis zum südchinesischen Festland zu schaffen.

Die Maschinen einem ungewissen Ziel in China entgegenfliegen zu lassen erscheint riskant, wird am Ende jedoch in Kauf genommen. Zwar ist das Reich der Mitte zu diesem Zeitpunkt von Japan besetzt, vor allem die Küstenregion.