Nicht, dass es in Venedig an Kitsch mangelte. Doch dagegen ist jeder Maskenladen ein Hort des guten Geschmacks. Wenigstens verheißt er keine guten Gefühle. Genau das jedoch tut der Fotograf Gregory Colbert mit der Ausstellung Ashes and Snow (Arsenale di Venezia, bis zum 6. Juli), organisiert von der Schweizer Stiftung BiAnimale, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Öffentlichkeit für Naturschutz zu sensibilisieren. Colbert heuchelte zu diesem Zweck sepiafarbene Kalenderblatt-Gefühle auf japanisches Reispapier. Darauf: Elefanten. Viele Elefanten. Wenige Elefanten. Elefant schööön! Und: Kinder. Natürlich indische Kinder. Und: Seekühe. Die Poesie der Seekuh. Darüber Pling-Pling-Musik. Um die Folter komplett zu machen, steht am Ende der Ausstellung eine Leinwand, wo das bedauerliche Ganze noch mal als Film gezeigt wird. In Zeitlupe. Davor sitzen Menschen, die vermutlich gerade Frieden oder etwas ähnlich Unappetitliches mit sich machen. Natürlich würde man diesen Mist gerne totschweigen. Aber ein PR-Feldzug von napoleonischem Ausmaß sorgt dafür, dass man ihm nicht entkommt. Sogar die Vaporetti sind mit Elefanten bemalt. All das unter der Schirmherrschaft der Region Veneto, der Stadt Venedig und der Biennale von Venedig. Ob der Biennale-Direktor einen Elefanten geritten hat, als er das Arsenale zur Verfügung stellte? Hatte der Bürgermeister Haschisch geraucht? Sammeln beide heimlich Porzellankatzen?

Aber nicht alle Menschen sind so blöd, wie Colbert sie gern hätte. An der Kasse stand eine Venezianerin, die nach dem Besuch ihr Geld zurück haben wollte.