Der Servierwagen rollt, Kaffee in den fünften Stock, die Damen haben für 15 Uhr geordert: vier europäische Entwicklungsministerinnen, die sich am Rande einer UN-Konferenz im mexikanischen Monterrey ein ruhiges Stündchen für strategische Absprachen gönnen - diesmal zur Vorbereitung der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank. Es tagt, nach Beratungen mit George Soros und Jimmy Carter nunmehr unter sich, die "Utstein-Initiative" - eine ungewöhnliche Seilschaft, klein, informell, exklusiv weiblich, die es in der internationalen Politik seit drei Jahren zu einigem Einfluss gebracht hat.

Ihr Ziel: die Überwindung der weltweiten Armut.

Zusammen kamen die vier im harten Urteil über die Entwicklungspolitik: "Verlorene Jahrzehnte", resümiert die Holländerin Eveline Herfkens, "von folgenloser Rederei hatten wir die Nase gestrichen voll." Die wirtschaftliche Zusammenarbeit müsse "endlich raus aus der Wohltätigkeitskiste und in die Gerechtigkeitskiste", urteilt Herfkens' englische Mitstreiterin Clare Short.

"Nicht die Geber, die Empfänger sollen über die Verwendung der Mittel bestimmen."

Das konspirative Frauennetz hat die Norwegerin Hilde Frafjord Johnson geknüpft. Bei der 38-Jährigen stimmt das Klischee: Politikerin mit Herzblut.

Als Missionarstochter in Tansania und später als Sozialanthropologin auf Feldforschung war sie in afrikanischen Dörfern mit Armut hautnah konfrontiert. Als Einzige der vier Frauen ist sie Christdemokratin: "Aber in Entwicklungsfragen haben wir unsere Sozialdemokraten stets überholt."

Kurz nach dem Amtsantritt der Norwegerin Ende 1997 musste Tony Blair seine populäre linke Partei-Antipode Clare Short ins New-Labour-Kabinett einbinden.