1. Auf dem Weg zwischen den Containern mit Jaki Liebezeit und Bernd Friedmann -
ein ZEIT_online Gespräch

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1. Auf dem Weg zwischen den Containern

Jaki Liebezeit und Bernd Friedmann bewegen sich in undefinierten Räumen und produzieren dort Musik, die es eigentlich noch nicht gibt - zwei Individualisten, die sich zusammenfanden, um gemeinsam auf dem Weg des künstlerischen Wachstumsprozesses zu bleiben. Liebezeit war schon in den Siebziger Jahren für sein minimales, zyklisches Schlagzeugspiel bei der "Krautrock"-Band CAN als Reformator des Schlagzeugs berühmt-berüchtigt. Er wird heute als einer der fünf einflussreichsten Schlagzeuger weltweit gehandelt. Bernd "Burnt" Friedmann ist in der Elektronik-Szene als Innovator weitab gängiger Trends bekannt. Seine Alben sind aus kleinen Musikschnipseln zusammengesetzt, die er mit dem Minidisk aufnimmt und am Computer kunstvoll arrangiert. Auf ihrem Album "Secret Rhythms" (Nonplace) zeigen der Drummer und der Elektronik-Bastler in einer Symbiose von analogen und digitalen Instrumenten, wie unvorhersehbar das ist, was sich noch im Werden befindet. Ihre Musik besticht durch die Vielseitigkeit "geheimer Rhythmen" außerhalb der gängigen Viervierteltakt-Schemen und kreiert ein eigenes Genre. ZEIT_online-Mitarbeiterin Carola Padtberg hat sich mit den beiden Musikern zu einem Interview getroffen.

ZEIT_online: Ihr habt beide sehr früh begonnen, Musik zu machen. Wie war das?

Liebezeit: Bei mir lag das nicht so weit. Schon mein Vater war Musiker, und bei uns zuhause war Musikmachen angesagt, und ich wurde gefördert. Ich hatte ein bisschen Talent, und man hat mich machen lassen. Daher hab ich schon mit 7 Jahren angefangen, Akkordeon zu spielen, dann Trompete, mit 18 bin ich dann zum Schlagzeug gekommen. Ich spielte in einer Kapelle, in der wurde ein Schlagzeuger gebraucht und ich dachte "Schlagzeug spielen ist doch einfach, das mach ich."

Friedmann: Ich kann das genau sagen, wann ich angefangen habe, denn das fällt mit der ersten Aufnahme zusammen. Ich habe immer alles aufgenommen, was ich produziert habe. Mit 13 habe ich mir Instrumente gebaut, zuerst eine Gummibandgitarre aus einem Schuhkarton, später hatte ich auch ein Tamburin und eine Mundharmonika. Damit habe ich drauflosmusiziert, ohne Grundkenntnisse. Ich hatte keinen musikalischen Background in der Familie und war immer Dilettant. Ich habe heute noch einen dilettantischen Zugang zur Musik, ohne akademischen Hintergrund. Ich habe mir so Struktur und Improvisieren beigebracht. Noch heute ist für mich das Improvisieren die wichtigste Komponente in der Musik. Das Schlagzeugspielen hab ich mir so um 1980 beigebracht. Mit dem Schlagzeug war klar, dass ich weiter Musik machen will. So ab Mitte der 80er bin ich dann auch zu elektronischen Geräten übergegangen.

ZEIT_online: Ihr kommt aus musikalisch sehr unterschiedlichen Richtungen. Jaki fing mit Free Jazz unter anderem neben Chet Baker an und war dann Mitglied von "Krautrock"-Gruppe CAN; Bernd ist der langjährige Elektronik-Bastler. Vom Alter trennt Euch eine Generation. Wie habt ihr zueinander gefunden?