Klaus Zimmermann gehört zu den selbstbewussten Vertretern seiner Zunft. Der Präsident des DIW Berlin, des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, kann zwar das eher hässliche Gebäude im noblen Stadtteil Dahlem nicht neu bauen lassen, aber wenigstens soll jeder Passant wissen, dass sich hinter der grauen Fassade Exquisites versteckt. Deshalb ließ Zimmermann drei Fahnenmasten aufpflanzen. An denen wehen jetzt grüne Banner mit dem neuen DIW-Logo. Zimmermann: "Mich hat immer gestört, dass der Taxifahrer nicht wusste, wo ich da aussteige."

Auch Hans-Werner Sinn setzt nicht auf Understatement. "Ich glaube, ich brauche mich wissenschaftlich nicht zu beweisen", sagt der Präsident des ifo-Instituts in München. Doch am Eingang zum Institut im vornehmen Stadteil Bogenhausen verweist nur ein bescheidenes Schild auf den hinter leuchtend gelben Mauern angesiedelten Sachverstand. Wehende Fahnen? Das ist nicht Sinns Stil. Er sucht Publicity in Presse und Internet.

Selbstdarstellung und Forschungsbetrieb - das passte lange Zeit schlecht zusammen. Doch in Zeiten leerer öffentlicher Kassen gilt die vornehme Zurückhaltung nichts mehr. Die sechs großen deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute werden je zu gleichen Teilen von Bund und Ländern finanziert, müssen sich also in Szene setzen, um nicht Opfer sparsamer Politiker zu werden. Die Flucht in Drittmittel, also in bezahlte Aufträge, ist ein schlechter Ausweg, da er Abhängigkeiten schafft. Also drängen die Institute auf der Suche nach Prestige und Geld in die Öffentlichkeit. Mit immer neuen Einschätzungen von Wirtschaftswachstum und ökonomischen Reformen suchen sie sich gegenseitig zu übertreffen.

Noch vor kurzem machten sie nur auf sich aufmerksam, wenn sie wie in dieser Woche ihre gemeinsame Konjunkturprognose vorstellten. Ansonsten galt so etwas wie eine Rollenverteilung. Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) an der Universität Kiel marschierte vorneweg, die wirtschaftsliberale Fahne hoch erhoben. Ihm folgten das DIW Berlin, für die keynesianische Sicht der Dinge zuständig, und ifo München, renommiert für seine Konjunkturbeobachtung. Das Hamburgische Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) bot seine Dienste vor allem der im- und exportierenden Wirtschaft an, in Essen erntete das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) Lorbeeren mit struktur- und regionalpolitischen Aktivitäten. Schnell erwarb sich das junge Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) einen Namen für seine Ostkompetenz.

In der heilen Welt ließ sich ungestört arbeiten - bis die Kontrolleure kamen. Ab Herbst 1995, nachdem die ostdeutsche Forschung abgewickelt war, nahmen im Auftrag des Wissenschaftsrats Teams westdeutscher Hochschullehrer auch die sechs Wirtschaftsforschungsinstitute unter die Lupe. Das HWWA bezog als erstes Prügel. Unklare Strukturen, unzureichende Veröffentlichungen, keine Grundlagenforschung - die Schließung drohte.

Dann erwischte es ifo in München. Die Inspekteure bekrittelten zu viel empirische Datensammlerei und zu wenig Wissenschaft, zu viele Auftragsarbeiten (zu Deutsch: Gefälligkeitsgutachten) und zu wenig Kontakt zur Universität. Der Wissenschaftsrat drohte mit der Umwandlung in eine forschungsfreie Serviceeinrichtung. Nicht ganz so dramatisch klang die Kritik am DIW: überaltert mit ineffizienten Entscheidungsstrukturen. Dem Essener RWI wurde eine Reform an Haupt und Gliedern nahe gelegt, wenn es weiter aus öffentlichen Kassen schöpfen wollte. Das junge Institut in Halle kam ungerupft davon, das Kieler IfW durfte sich gar im Lob der Jury sonnen. Von da an war die Welt der Institute nicht mehr in Ordnung. Die rüden Rügen lösten ein Umdenken aus. Vorbei ist es mit der Arbeit im Elfenbeinturm. Die Forscher polieren ihr Image - und machen sich Konkurrenz.

Wie DIW und ifo. Beide Häuser kämpfen unter der Leitung neuer Chefs um neues Prestige. Und letztlich geht es ihnen um die Frage, wer hinter Kiel die Nummer zwei im Lande ist. Die beiden Protagonisten dieses Wettkampfs sind schier omnipräsente Wissenschaftler. Klaus Zimmermann (49), seit Januar 2000 Präsident des DIW, leitet zugleich das angesehene Institut Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn. Dazu kommt ein Lehrstuhl an der Universität Bonn (von dem er zurzeit beurlaubt ist) und eine Honorarprofessur (ohne Honorar) an der Freien Universität Berlin. Zusätzlich sitzt Zimmermann in zahlreichen Beiräten und Kommissionen und ist Gutachter für eine Unzahl von Zeitschriften, Verlagen und Institutionen. Jüngste Berufung: Mitglied der Group of Policy Advisers des Präsidenten der EU-Kommission.