die zeit: Was hat die israelische Militäroffensive gegen den palästinensischen Terror bewirkt?

Sari Nusseibeh: Meines Erachtens war diese Operation als Teil einer Gesamtstrategie Ariel Scharons gegenüber den Palästinensern angelegt. Ihr Ziel: den Osloer Friedensprozess von 1993 zu untergraben. Wir haben das Spiel bereitwillig mitgemacht, indem wir auf seine Provokationen genau so reagierten, wie er es von uns erwartet hatte.

ZEIT: Ist es nicht zu einfach, palästinensische Gewalt bloß als Antwort auf Scharon abzutun? Immerhin wurde er gerade wegen der bewaffneten Intifada zum Regierungschef gewählt.

Nusseibeh: Es war nicht nur eine Reaktion auf israelische Politik, aber doch zum großen Teil. Israel hat jahrelang parallel zu den Verhandlungen weiter Land enteignet und Siedlungen gebaut. Wir haben daraus geschlossen, dass es nicht ernsthaft an territorialen Kompromissen interessiert war. Aus der Sicht der Palästinenser bestätigte das Angebot von Ministerpräsident Ehud Barak von Camp David im Sommer 2000 nur ihren Verdacht, dass sie am Ende doch nicht alle besetzten Gebiete einschließlich Ost-Jerusalem zurückbekommen würden. Sie witterten Betrug und lehnten ab. Aus der Sicht der Israelis dagegen war Baraks Angebot das großzügigste, das je ein Ministerpräsident gemacht hat; deshalb fühlten auch sie sich betrogen. Scharons Besuch auf dem Tempelberg im September desselben Jahres - einem in der ganzen arabischen Welt verehrten Heiligtum - entflammte eine bereits angespannte Situation.

ZEIT: Welche Rolle hatte die palästinensische Polizei?

Nusseibeh: Der Zorn der Bevölkerung auf die offiziellen Sicherheitskräfte wuchs, weil diese zunächst nur zugesehen hatten, wie Steine werfende Jugendliche von der israelischen Armee erschossen wurden. Der Moment, in dem die palästinensischen Polizisten von den Emotionen mitgerissen wurden und sich entschlossen, ihre Waffen zu gebrauchen, war der Wendepunkt der zweiten Intifada. Von nun an war alles ein ganz anderes Spiel.

ZEIT: Der jüngst von den Israelis verhaftete Fatah-Generalsekretär Marwan Barghuti sprach schon damals davon, Israel mit Gewalt aus den besetzten Gebieten zu vertreiben, notfalls auch durch Anschläge im Kernland. Solange sich die Palästinenser nicht sicher fühlten, lautete seine Forderung, dürften sich auch die Israelis nirgendwo sicher fühlen.