Unter Deutschlands Sternguckern brodelt es: Ihrem geplanten Vorzeigeprojekt, dem Kleinsatelliten Diva, der 35 Millionen Sterne vermessen soll, droht plötzlich das Aus.

Dabei schien dessen Bau schon beschlossene Sache: Vor zwei Jahren hatte man sich nach langem Ringen auf den Bau des Satelliten geeinigt. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) stellte 25 Millionen Euro in Aussicht, die Hälfte der Gesamtkosten, und das Mannheimer Nationaltheater lud zur Benefizoper. Vielleicht hätte man damals nicht die Zauberflöte spielen sollen. Denn wie die Königin der Nacht sich als Inkarnation böser Mächte entpuppt, so hat auch das DLR mit Zustimmung der Bundesforschungsministerin die Rolle gewechselt und versagt jetzt den Forschern überraschend das Geld.

Dabei arbeiten seit Jahren rund 100 Wissenschaftler und zahlreiche Firmen am Design des Satelliten. Nun - da der Bau beginnen könnte - wird Diva der neuen deutschen Raumfahrtpolitik geopfert. Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn setzt auf mehr Industriebeteiligung und weniger Grundlagenforschung.

Statt Diva feierte ihr Ministerium kürzlich die Vertragsunterzeichnung für den 130 Millionen Euro teuren Satelliten Terrasar, der die Erdoberfläche mit Radarstrahlen abtasten wird. "Gesellschaftlich relevant" soll Forschung sein.

Darum fließt das Geld in Erderkundung und Satellitennavigation.

Das klingt tatsächlich relevant, gehört aber nicht ins Forschungsministerium, sondern eher in die Wirtschaftsförderung. Offenbar vergessen die Forschungspolitiker, dass der Drang nach verwertbaren Ergebnissen auf Dauer eher kurzsichtig ist: Denn die High-Tech-Satelliten der Astrophysiker waren stets Vorreiter der kommerziellen Missionen, die Atomuhren und Miniaturlaser der Grundlagenforscher haben die Satellitennavigation erst möglich gemacht.

Die Astronomen sind entsprechend empört: Mit der Entscheidung verabschiedeten sich die Deutschen aus der astronomischen Spitzenforschung.