Es fing so schön an mit Otto und mir. Ich lernte ihn vor einem halben Jahr kennen. Und bis auf ein paar Kleinigkeiten, die ich Otto, der mir das Tütenschleppen und die Schlangen an den Supermarktkassen erspart, nicht nachtragen will, lief es wirklich gut. "Bequemer per Internet", versprach der Otto-Online-Supermarkt, liefere er alle Einkäufe bis an die Tür. Am Ostersonntag aber, als ich eine Order für den darauf folgenden Dienstag gab, kam es zur ernsthaften Krise.

Der Dienstagvormittag vergeht, die Lieferung trifft nicht ein. Nachfrage bei der Hotline. Keine Bestellung eingegangen, bedauert die Dame am Telefon. Die Bestätigung auf der Website, erläutert sie, erfolge automatisch und sage eigentlich gar nichts aus.

Ich schicke die Bestellung also noch einmal und erkundige mich drei Stunden später, ob sie angekommen sei. Fehlanzeige. Den dritten Versuch starte ich per Fax. Eine halbe Stunde später der Anruf einer Otto-Mitarbeiterin: Es lägen zwei Bestellungen vor, eine per Fax, eine per Internet ... Ich erkläre ihr den Sachverhalt. Alles klar, sagt sie. Geliefert werden könne nun freilich erst morgen, Mittwoch, zwischen 10 und 13 Uhr. Es dauert keine Stunde, bis diese Zusage von einer ihrer Kolleginnen wieder zurückgenommen wird: früheste Zustellmöglichkeit Mittwochabend. "Wissen Sie was?", sage ich.

"Vergessen wir das Ganze. Stornieren Sie die Bestellung, ich gehe morgen früh zum Supermarkt und hole mir die Einkäufe ganz offline und altmodisch selbst."

Zwei Stunden später ist eine Nachricht von Otto in meiner Mailbox: Wir bestätigen hiermit ihren Auftrag ... "Aber ja", bekräftigt der Herr am anderen Ende der Hotline, "wir liefern morgen zwischen 10 und 13 Uhr." - "Ist ja toll, dass es doch noch klappt", sage ich und erzähle die Vorgeschichte. Wenn das so ist, wirft er ein, könne er nicht garantieren, dass tatsächlich geliefert wird. Dass es bei ihm im Computer so abgespeichert sei, bedeute nämlich gar nichts.

Mit meiner Geduld geht es langsam zu Ende. Vor meinem inneren Auge taucht Michael Douglas auf, wie er in Falling Down seine Frühstücksbestellung bei McDonald's mithilfe einer großkalibrigen Feuerwaffe durchsetzt. Das war's, denke ich, mit Otto und mir ist es aus und vorbei.

Mittwochvormittag gehe ich in Gedanken gerade die Liste der befreundeten Autobesitzer durch, deren Fahrzeuge ich künftig für den wöchentlichen Großeinkauf leihen könnte, da klingelt es an der Tür. Es ist 11.30 Uhr.