"In diesem Frühjahr beginnt der konjunkturelle Aufschwung in Deutschland." Das ist die Botschaft des neuen Gutachtens der sechs Wirtschaftsforschungsinstitute. Sie sagen es sogar noch genauer: Das Wachstum werde 2002 bei 0,9 Prozent liegen. Aber diese Zahl ist mit Vorsicht zu genießen. Zum einen ist sie ein vor allem für die Öffentlichkeit bestimmter Kompromiss. Wie ist sonst zu verstehen, dass das bei diesem Gutachten federführende Kieler Institut für Weltwirtschaft die Wachstumsrate für 2002 noch im Winter mit 1,3 Prozent angab und jetzt, wo der Aufschwung tatsächlich eingesetzt hat, nur noch 0,9 Prozent erwartet?

Zum anderen hängt die Prognose diesmal an besonders vielen Unwägbarkeiten. Da ist der Ölpreis (der mit 25 Dollar pro Barrel angesetzt ist), da ist der Tarifstreit, der unsichere Erfolg der deutschen Exportwirtschaft, der Euro-Kurs, die Konsum(un)lust der Verbraucher. Wächst die Wirtschaft also um 0,6 Prozent, um 0,9 oder doch um 1,3? Sicher ist nur: Eine hohe Wachstumsrate ist aus einem ganz einfachen Grund wenig wahrscheinlich. In den letzten beiden Quartalen des vergangenen Jahres ging das Bruttoinlandsprodukt zurück, und dieser Rückstand will erst einmal aufgeholt sein. Für 2003 rechnen die Prognostiker dann mit einem Wachstum von 2,4 Prozent. Schön wär's, doch vorerst gilt die Formulierung des Bankenverbandes: "Erholung beginnt - Risiken bleiben."