Brüsseler Loch.

Das Europäische Parlament hat einen neuen Fan. Der berühmte Architekt und Stadtplaner Rem Koolhaas aus den Niederlanden, Berater beim Großprojekt "Brüssel, die Hauptstadt Europas", entwarf in einem ersten Vortrag mit viel Fantasie eine glänzende Perspektive für das Hohe Haus. Derzeit residiert es in einem kafkaesken Glaspalast, vom Volksmund nach einer Camembertsorte als "Die Laune der Götter" verspottet.

Dabei könnte doch alles ganz anders sein. Mit aberwitzigen Ideen trieb Koolhaas vor kleinem Brüsseler Publikum dem EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi und Belgiens Premierminister Guy Verhofstadt die Tränen in die Augen.

Die Zukunft des "ehemaligen Europäischen Parlaments" sieht der Baumeister als klaftertiefe Furche, wie sie nur eine gewaltige Baumaschine reißen kann. Ein schlichtes Loch in der Erde sei angesichts des Istzustands immer noch das schönste Parlament, meinte Koolhaas hinterhältig.

Dem wahren Architekten hüpft das Herz bei so viel Mut zur schöpferischen Zerstörung. Vielleicht erhält ja Europa auf diese Weise eine Aura! Die fehlt Brüssels Quartier européen ja bislang völlig, wie jeder Besucher oder Insasse seiner grässlichen Immobilien weiß. Bei Prodi obsiegte auch angesichts solch radikaler Ideen der italienische Sinn für Schönheit: Hässliche Bauwerke würden schließlich, so der Präsident zum Baumeister, genauso teuer kommen wie schöne. Dann doch lieber gleich: Bellissima Europa!

Recht, anschaulich.

Die ZEIT-Redakteurin Jutta Hoffritz ist mit einem Journalistenpreis der Stiftung Gesundheit ausgezeichnet worden. Die 36-Jährige erhält den Sonderpreis Patientenrecht für ihren Artikel Väter und andere Schlawiner - Bio-Tech-Unternehmen verdienen am Seitensprung. Der Text erschien im Wirtschaftsteil der ZEIT Nr. 30 vom 19. Juli 2001. Hoffritz beschreibt darin das boomende Geschäft mit Abstammungstests und die Bedenken der Datenschützer.