Wenn in der Moschee der Islamischen Gemeinde in Mannheim das Freitagsgebet zu Ende ist, ziehen die Gläubigen die Schuhe an und begeben sich zügig hinaus ins Freie. Dort werden sie neuerdings von Ungläubigen erwartet, kleinen Gruppen von Männern, die mit Bussen in die Böckstraße gekommen sind: Polizisten aus allen Teilen Baden-Württembergs, die den offiziellen Auftrag haben, die Welt des Islam ein bisschen besser kennen zu lernen. Also schauen sie in einem Gebetsraum vorbei, in dem bärtige Männer auf zerschlissenen Teppichen gen Mekka beten.

Bei Tee und arabischen Süßigkeiten lauschen die deutschen Hüter von Recht und Ordnung dem Vorbeter, der ihnen mit sanfter Stimme und in deutscher Sprache die fünf Säulen des Islam erklärt. Ausführungen, die meist mit dem Hinweis auf die Mildtätigkeit dieser Weltreligion beginnen, ihren Humanismus erwähnen, ebenso die Toleranz, die die Religion Mohammeds auszeichne.

Geduldig lassen die Polizisten die Predigt über sich ergehen, nach knapp zwei Stunden ist alles vorbei.

Diese Begegnungen sind Programm. In den Wochen nach dem 11. September dämmerte dem Innenministerium in Stuttgart, dass es an der Zeit sei, im internationalen Kampf gegen den Islamismus und die Terrorgruppen Osama bin Ladens auch in Deutschland ein neues Kapitel aufzuschlagen: Erkenntnis durch Annäherung, interkultureller Dialog statt Vorverurteilung. Dieser Weg wurde schnell als vorbildlich empfunden. Die Verwaltungen anderer Länder wie Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hessen entsenden mittlerweile ebenfalls Polizisten zu solchen Kennenlernabenden quer durch die Republik.

Doch der Erkenntnisgewinn solcher Begegnungen liegt bei null. Vielleicht wäre es ergiebiger, wirkliche islamistische Kaderschmieden zu besuchen, etwa die Chafer-Sadeq-Moschee im Berliner Arbeiterbezirk Wedding. Ein unscheinbares, heruntergekommenes Gebetshaus, inmitten einer trostlosen Arbeitersiedlung gelegen. An den Wänden hängen Poster von Ajatollah Chomeini und Osama bin Laden, überlebensgroß. Über Satellitenfernsehen werden aus dem Libanon, dem Iran oder Pakistan religiöse Predigten übertragen, unterlegt mit schier endlosen Bildern von zerschossenen Körpern palästinensischer Männer, Frauen und Kinder. Es sind die immer gleichen Sequenzen aus den angegriffenen libanesischen Palästinenserlagern Sabra und Schatilla im Jahre 1982 und solche aus der Westbank des Jahres 2002.

Vor einem der Bildschirme kauert eine Gruppe Gläubiger und lauscht den Worten des Großscheichs Mohammed Saïd Tantawi von der altehrwürdigen Al-Azhar-Universität in Kairo. "Die Palästinenser wenden alle Mittel an, die ihnen zur Verfügung stehen, und wenn sie sich selbst in die Luft sprengen, um ihre Freiheit zu erkämpfen, dann ist dies eine der höchsten Stufen des Martyriums", predigt der Mann, der im Westen als moderat gilt. Im Vorraum des Gebetsraums liegen Plakate von Scheich Jassin, dem Hamas-Gründer, Bilder von jungen Selbstmordattentätern aus dem Gaza-Streifen, daneben die Videos, auf denen sie sich zu ihren Terrorattentaten bekannten.

In der Berliner Chafer-Sadeq-Moschee, knapp acht Kilometer vom Bundeskanzleramt entfernt, treffen jedes Mal gut 100 Menschen zum so genannten Freitagsgebet zusammen. In den auf Arabisch geführten Gesprächen im Gebetsraum geht es nicht um Toleranz, Humanismus und interreligiösen Dialog, sondern nur um ein Thema: den Dschihad - den Heiligen Krieg. Unverhohlen wird Hass gepredigt. "Hass gegen die Kreuzzügler", "Hass gegen die Juden", "Hass gegen alle, die das zionistische Gebilde am Leben erhalten". All denen werden Konsequenzen angedroht, "die so lange die Muslime geknechtet haben. Die Zeit der Worte ist vorbei, jetzt ist es an der Zeit, endlich Taten folgen zu lassen", sagt einer, der sich als Hisbollah-Anhänger zu erkennen gibt.