Die Welt braucht Monopole. Meinen zumindest die Monopolisten. So argumentierte einst der berüchtigte Ölmagnat John D. Rockefeller. So argumentierte Anfang der Woche Microsoft-Gründer Bill Gates bei seinem ersten Auftritt als Zeuge im Kartellprozess gegen sein Unternehmen. Microsofts Betriebssystem Windows auseinander zu nehmen, wie von Wettbewerbshütern in den USA vorgeschlagen? Das würde Chaos in der Computerindustrie bedeuten: abstürzende Programme, verwirrte Verbraucher, bankrotte Softwarefirmen, weniger Innovation.

Gates hat Recht - historisch gesehen. Microsoft kommt tatsächlich das Verdienst zu, mit Windows einen (wenn auch mangelhaften) technischen Standard geschaffen zu haben, der Programmierern und Verbrauchern das Leben einfacher macht. Der Prozess hat aber auch gezeigt, dass Microsoft seine Monopolmacht wiederholt missbrauchte, um zu verhindern, dass sich im Internet ein anderer Standard entwickelt, der Windows auf Dauer überflüssig machen könnte.

Es wird sich zeigen, ob Bill Gates mit seiner Weltsicht das Gericht überzeugt. Es muss darüber befinden, ob Microsoft auch in der digitalen Welt von morgen die Regeln bestimmen kann. Je mehr Technik die Gesellschaft durchdringt, desto mehr bestimmen Software und ihre Architektur, was Bürger tun und lassen können. Aus selbst ernannten virtuellen Wohltätern können schnell reale digitale Diktatoren werden.