die zeit: Professor Tetzlaff, ist Afrika ein hoffnungsloser Kontinent?

Rainer Tetzlaff: Gemessen an allen Indikatoren, hat Afrika im Vergleich mit anderen Kontinenten der so genannten Dritten Welt tatsächlich die schlechtesten Werte. Dem verbreiteten Afro-Pessimismus liegt also mehr als nur ein dumpfes Gefühl zugrunde. Der Kontinent ist für die Globalisierung schlecht gerüstet.

zeit: Gibt es afrikanische Länder, die zu Hoffnung Anlass geben?

Tetzlaff: Mauritius und Botsuana beweisen, dass sich auch unter Armutsbedingungen Demokratie entwickeln kann und wirtschaftliche Fortschritte erzielen lassen Mali und Ghana sind auch auf gutem Weg. Aber das sind Ausnahmen. Vor allem die Länder des südlichen Afrika haben noch nicht den richtigen Kurs in die Globalisierung gefunden.

zeit: Gibt es kulturelle Besonderheiten für das Zurückbleiben der meisten afrikanischen Länder?

Tetzlaff: Sie haben ein schweres koloniales Erbe. Das allein erklärt aber nicht die desolate Lage. Zum Verhängnis geworden ist dem Kontinent, dass sich nach dem Ende der Kolonialherrschaft eine rent seeking society, eine Art Pfründenkapitalismus gebildet hat: Die Sicherung von Privilegien und die Verteilung von Ressourcen und Reichtum ist den Eliten wichtiger als die Produktion dieses Reichtums - anders als in den asiatischen Schwellenländern, wo eine profit seeking Mentalität vorherrscht.

zeit: Wie erklären Sie den Unterschied?