Gemeinsam wirken Koerner und Weber, die seit mehr als zehn Jahren zusammenarbeiten, so komplementär und symbiotisch wie ein altes Ehepaar. Im sich vertraut behakelnden Gespräch erinnern sie sogar ein wenig an Ernie und Bert. Koerner, der eloquente Kommunikator, der bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises an Die innere Sicherheit schon mal ein paar begeisterte Steppschrittchen hinlegt. Beim anschließenden Empfang in der Staatsoper schien seine Glatze vor lauter Glück weithin zu leuchten. Weber, der zurückhaltende Zweifler, ein Eremit, der eine ganze Weile braucht, bis er seine Nebenzimmerhöhle verlässt und zum Gespräch rüberkommt.

Im Job-Punk-Kneipen-Biotop der Westberliner Endachtziger lernten sie sich kennen: Koerner, der abgewiesene Filmhochschulanwärter, und Weber, der ehemalige Kunststudent mit filmischen Ambitionen. Auch wenn die Ton- und Lichtjobs bei filmenden Freunden auf die Dauer tatsächlich zu chaotisch waren, auch wenn dabei irgendwann das Bedürfnis nach etwas mehr Organisation entstand - wie wird man plötzlich Produzent? "Indem man für 200 Mark eine kleine Ladenwohnung mietet und an die Klingel irgendwas von Produktionsbüro schreibt", sagt Koerner. "Indem man wartet, bis das Telefon klingelt", sagt Weber. Die ersten Projekte ergaben sich irgendwie aus den alten Kontakten zur Berliner Filmhochschule dffb, und bald begann auch die Zusammenarbeit mit dem Kleinen Fernsehspiel des ZDF, das bis auf wenige Ausnahmen alle Schramm-Projekte mitfinanzierte. Wobei Schanelec, Arslan und Petzold sich bei ihren Filmen nicht im Mindesten auf die so genannten Glotzenkompromisse einlassen. "Neulich", sagt Koerner, "ließen wir Angelas Film Plätze in Städten hier im Büro nebenbei laufen. Da dachte ich plötzlich, der Fernseher ist kaputt, so dunkel war's auf der Mattscheibe. Aber es war die Liebesszene, nach der dann das Licht in einer brutalen Grellheit wieder angeht. Das ist fürs Fernsehen schon starker Tobak, aber auch ein wirklich überlegter Umgang mit dem Licht. Eben richtiges Kino."

In ihrer Produktionsnische, die dem ZDF schöne Kinofilme, Koerner und Weber ihre Unabhängigkeit und den Regisseuren fast unbedingten Rückhalt beschert, sind die beiden völlig zufrieden. Was sie in der notorisch quengeligen Branche fast ein wenig verdächtig macht. "Die Redakteure verstehen auch nicht, dass wir immer so gute Laune haben", sagt Weber. "aber uns geht's gut." Über die deutsche Förderlandschaft können sie sich nicht ereifern, außer dass beim SFB und beim ORB, den beiden Sendern, die eigentlich in ihrer Stadt zuständig sind, "im Speilfilmbereich absolut tote Hose ist". Und die Pläne des Kulturstaatsministers Nida-Rümelin, der das deutsche Förderwesen auch an qualitativen Kriterien orientieren will, etwa indem Preise und Festivaleinladungen honoriert werden, scheinen ihnen ganz vernünftig.

Überhaupt wirkt die deutsche Kinolandschaft, durch die beeindruckend ungeputzten Fenster der Bülowstraße betrachtet, deutlich weniger verhangen als andernorts.

Dass ihre Regisseure hin und wieder auch die Fühler nach anderen Produktionsfirmen ausstrecken, erzählen Koerner und Weber mit dem Stolz von Vätern, die ihre Kinder auch mal in die große weite Welt schicken. Genauso verstehen es die beiden als Anerkennung, dass die Filmförderungsanstalt jetzt eine Summe für Angela Schanelecs nächstes Drehbuch bewilligt hat. Für Schramm-Film, Schanelec und ihr deutsch-französisches Projekt Marseille ein erster Schritt aus der Nestwärme des Kleinen Fernsehspiels hinaus.

"Natürlich dachte man manchmal, ein bisschen größer könnte es schon sein", sagt Koerner endlich. Während der letzten Jahre bestand der einzige Expansionsprozess der Firma allerdings in der Anmietung des zweiten Halbzimmers. Deshalb wird der junge Mann enttäuscht sein, der während des Gesprächs einfach so von der Straße hereinschneit, Koerner eine Mappe in die Hand drückt und sich mit den Worten "Ich habe mal mit Christian Petzold Fußball gespielt" als Junior Producer bewirbt, "Fremdsprachenkenntnisse: Spanisch, Englisch und Latein".

Irgendwie passt es zu dieser eklektizistischen Zwei-Mann-Task-Force, dass sich Schramm-Film demnächst auch an einem eher firmenfremden Genre versuchen wird. Jedenfalls will man die deutsche Komödie nicht einfach der Feuer, Eis und Dosenbier-Fraktion überlassen und dreht als ausführende Produzenten gemeinsam mit dem hiesigen Ableger der Columbia die aphrodisiakisch angehauchte Ruhrpottgeschichte Voll daneben. Eine anspruchsvolle Teenie-Komödie soll dabei herauskommen, Regisseur ist Florian Gärtner, ebenfalls ein alter Bekannter.