Sie heißen Demir Halk Bank, Finansbank, GarantiBank oder Kocbank und haben ihre Heimat dort, wo risikoscheue Sparer ihr Geld selten investieren: in der Türkei. Obwohl das in regelmäßigen Abständen von Finanz- und Währungskrisen geschüttelte Herkunftsland der Geldinstitute nicht unbedingt für ein solides Image sorgt, machen die Institute den alteingesessenen Banken in Europa inzwischen kräftig Konkurrenz. Ihre Basis sind die Niederlande, wo die ersten türkischen Banken bereits Anfang der neunziger Jahre eigenständige Tochtergesellschaften gründeten.

Dass die Wahl auf die Niederlande fiel, ist nicht dem Charme der Tulpenblüte zu verdanken. "Ausländische Fachkräfte waren damals teilweise von der Einkommensteuer befreit", sagt Fahri Birincioglu, Senior Country Manager bei der deutschen Niederlassung der GarantiBank. Weil ein großer Teil der Belegschaft von der türkischen Muttergesellschaft rekrutiert wurde, konnten damit dank des Steuergeschenks in der Aufbauphase kräftig Personalkosten gespart werden. Auch bei der Expansion in andere europäische Staaten legten die Banker ein fast schon branchenunübliches Kostenbewusstsein an den Tag. So firmieren die Ableger in den einzelnen Ländern nicht als rechtlich eigenständige Tochtergesellschaften, sondern als kostengünstige unselbstständige Niederlassungen.

Ebenso pragmatisch ist der Umgang mit dem sensiblen Thema der Einlagensicherung. Die Banken gehören dem niederländischen Einlagensicherungssystem an, durch den pro Anleger 20 000 Euro für den Fall der Pleite eines Kreditinstituts abgesichert sind. Weil nach Angaben der Banken die meisten Interessenten ohnehin keine größeren Summen anlegen wollen, sei dieser Schutz ausreichend. Angesichts der niedrigen Beiträge zur niederländischen Einlagensicherung kann sich Bülent Kücükeris, Mitglied im Managementkomitee der Demir Halk Bank, nicht für die praktisch unlimitierte Einlagensicherung des deutschen Bankenverbandes begeistern. "Bei den wenigen Kunden, die das wünschen, wäre das viel zu teuer."

Im Visier der Aufsicht

Großzügig zeigen sich die Institute hingegen bei den Zinsen für Tages- und Festgelder, die deutlich über dem Marktdurchschnitt liegen. Wie aber kann es selbst einer schlank organisierten Direktbank gelingen, mit dauerhaft hohen Anlagezinsen rentabel zu arbeiten? Zumal nur ein kleiner Teil des eingesammelten Anlegergeldes in Deutschland in Form von Ratenkrediten wieder investiert wird. Und Baudarlehen oder Girokonten mit Dispokredit erst gar nicht angeboten werden.

In der Vergangenheit dürften mit den Anlegergeldern vor allem die Muttergesellschaften in der Türkei mitfinanziert worden sein. Dass ein türkisches Geldinstitut in internationalen Finanzkreisen nicht unbedingt als sicher gilt, zeigen die Noten der Rating-Agenturen. Moody's stuft die Dachinstitute der Kocbank, der Finansbank und der GarantiBank jeweils mit der Note "B3" ein. Die Kreditwürdigkeit der Banken entspricht somit der des Internet-Versandhändlers Amazon.

"Insbesondere bei sich verschlechternder Wirtschaftslage erscheinen die Zins- und Tilgungszahlungen gefährdet", rechtfertigt die Agentur ihre Benotung.