Mit dem Erinnern ist das so eine Sache. Wer zum Beispiel weiß, dass Iris Berben nicht nur Schauspielerin ist, sondern auch Erinnerungspädagogin? Sich verdient gemacht hat um den deutsch-jüdischen Dialog und mal fragte: "Mama, was ist Auschwitz?" Umrahmt von feierlichen Politikergrußworten im Programmheft ist sie jetzt mit einem Gipfeltreffen von Gut und Böse auf Tournee: Sie liest abwechselnd aus den Tagebüchern der Anne Frank und dem Aufzeichnungswust, den der NS-Propagandaminister Joseph Goebbels hinterlassen hat. Weich und gefühlvoll im Ton die weltklugen Briefe der Anne. Rüde dagegen der Mann, der sich privat gern als Opfer gab und zur Abgrenzung herausfordern müsste. Doch Mühen solcher Art erspart uns der Abend (26. April Stuttgart, 27. April München, 28. April Rosenheim) auf seltsam gewissenhafte Weise: Als Kontrapunkt gedacht, erklingen zu Goebbels Gerede Klavierstücke von in der NS-Zeit geächteten Musikern. Dann gibt es noch Filmaufnahmen vom neuen braunen Glatzensumpf zu begucken - alles so unvermeidlich wie die Frage nach dem "totalen Krieg". Versatzstücke der politischen "Nie wieder"-Pädagogik im alten Westen. Eine leicht konsumierbare Bild- und Tonshow, die viel will und deswegen wenig bewegt. Schon in der Pause ist alles wieder Sekt und Brezeln.