Träge Blicke, runder Rücken, Babyspeck und zu allem Übel eine maulfaule, widerwillige Ausstrahlung - die fünfzehnjährige Rita (Barbara Osika) kann bei Zuschauern, die mit ähnlich im Kokon steckenden Mädchen zu tun haben, womöglich allergische Reize hervorrufen.

Lovely Rita - der ironische Titel von Jessica Hausners Spielfilmdebüt verweist auf alle nur scheinbar lieblichen Mädchen seit den Zeiten des gleichnamigen Beatles-Songs. Abgrenzung von modischen coming of age-Filmen sucht der Film auch durch seinen Look aus Versatzstücken der siebziger und achtziger Jahre - Tapeten, Möbel, Geschirr und Kleidung sind von ausgesuchter Hässlichkeit. Diese Geschichte will keine leicht verdauliche Schlagzeile hergeben, sondern erzählt, wie scheinbar überwundene Eltern-Kind-Verhältnisse im österreichischen "Neo-Biedermeier" (Hausner) wiederkehren.

Rita bedient, wenn die Eltern Gäste haben, sie macht dem Papa ein hübsch verpacktes Geburtstagsgeschenk und gibt ihm artig ein Bussi auf die Wange.

Doch dann zeigt der Film sie unvermittelt in Situationen, die von innerer Not erzählen. Da ist Schluss mit der braven Passivität. In einer Schultheateraufführung reißt sie den Hauptpart an sich, anstatt die geprobte Dienerinnenrolle zu spielen. Zielstrebig testet sie ihre erotische Wirkung auf einen Busfahrer, indem sie ihm mit blau schattierten Augen zulächelt, an der Endhaltestelle rauchend ein Gespräch anbahnt, wortlos die erste sexuelle Begegnung erlebt.

Höhepunkt der Verfehlungen ist Ritas vorsichtig und liebevoll inszenierte Beziehung mit dem kränkelnden Nachbarjungen - unverkrampfte Zuneigung und Kontrast zur verklemmten Kleinbürgerlichkeit ihres Milieus. Des Vaters Jagdleidenschaft wird derart ernsthaft zelebriert, dass sie in eine gelungene Karikatur umkippt, zugleich aber den plausiblen Hintergrund für den fatalen Befreiungsversuch des Teenagers am Ende des Films liefert.

Hart stehen die Szenen der Familienroutine gegen die Ausbruchsversuche des Teenagers. Doch Jessica Hausners Drehbuch verzichtet auf die gängige Dramaturgie psychologischer Erklärung. Keine verständigen Lehrer, keine reuigen Eltern, keine Freundinnen oder abgeklärten Vermittler - Sprachlosigkeit ist der destruktive Motor des Erzählten. Das Mädchen artikuliert sich durch seine Taten, wirkt sympathisch oder auch enervierend.

Es bewahrt sein Geheimnis.