Kiel

Große Aufregung in Kiel: Mit wem verbrachte Ministerpräsidentin Heide Simonis ihren Geburtstag? Bekam sie Bauernrosen geschenkt? Wurde am Ende Dienstliches erörtert? - Spiegel-, Focus-, stern-Leser wollen so etwas offenbar wissen.

Schon wähnt die CDU "mafiose Zustände" in der Staatskanzlei, und sogar die SPD-Fraktion des Landtags fordert inzwischen, "alle Informationen, die zur Klärung beitragen können, offen zu legen".

Das alles bloß, weil die Staatsanwaltschaft einem früheren Mitarbeiter der Landesregierung, Karl Pröhl mit Namen, allerlei dubiose Geschäfte vorhält.

Sein Vorgesetzter Klaus Gärtner (FDP), bis letzte Woche Chef der Kieler Staatskanzlei, ist inzwischen zurückgetreten, und nun verlangt die Opposition ein größeres Opfer. Was wusste Heide Simonis? Wann wusste sie es? Und wie war das mit den Bauernrosen, die nämlich, angeblich oder tatsächlich, von Pröhls Gattin stammten?

"Das las sich wie ein Krimi"

Vermutlich kann Schleswig-Holsteins Ministerpräsidentin es noch lange ertragen, mit solchen Lapalien behelligt zu werden, ohne dass es sie beim Regieren sonderlich stören würde. Und dagegen wäre auch nichts einzuwenden, ginge nicht im Medienwirbel um den Kleingauner Pröhl ein echter Skandal unter. Es geht um einen Großauftrag, um Korruption und sehr viel Geld: 419 Millionen Euro, meint der Landesrechnungshof, womöglich sogar mehr - oder deutlich weniger, wenn man der Landesregierung glauben darf. Ob man allerdings der Landesregierung in dieser Sache irgendetwas glauben darf, das ist zumindest fraglich.