Handelskriege sind wie Schachspiele - nur dass am Ende nicht das Matt, sondern ein für beide Seiten vertretbares Patt stehen sollte. Nach einer solchen Lösung sieht es im Stahlstreit, der derzeit zwischen Europa und den Vereinigten Staaten tobt, allerdings nicht aus.

Nachdem die USA die Partie vor ein paar Wochen eröffnet haben - indem sie zum Schutz der eigenen Industrie Strafzölle gegen Stahlimporte aus Europa verhängten -, reagierte Anfang der Woche der zuständige EU-Kommissar Pascal Lamy. Ganz nach dem Motto "Ärgerst du meine Stahlwerker, ärgere ich deine Schneider und Bauern" droht er mit Zöllen für Zitrusfrüchte aus Florida, Reis aus Texas oder Textilien aus South Carolina. Lamy sanktioniert damit vor allem Produkte aus Regionen, deren Stimmen Präsident Bush und die Republikaner dringend für ihre Wiederwahl brauchen.

Gelernt hat der Franzose das von den Amerikanern. Die verteuerten einst, während des transatlantischen Bananenstreits, durch Strafzölle eine ziemlich willkürliche Auswahl europäischer Produkte: "Sie haben den Roquefort-Käse bestimmt nicht wegen seiner ökonomischen Bedeutung auf die Liste genommen", erinnert sich Lamy. Damals zielten die USA auf die Produkte der als besonders renitent geltenden Franzosen.

Zwei Dinge erschweren jedoch Lamys Kopie der US-Strategie. Zum einen hat die Welthandelsorganisation (WTO) noch nicht entschieden, ob er überhaupt mit Gegenmaßnahmen reagieren darf. Zum anderen haben die europäischen Mitgliedsstaaten dem Vergeltungsschlag noch nicht zugestimmt. Bei ihnen aber wachsen die Bedenken gegen ein allzu hartes Auftreten.

Lamy steckt in einer misslichen Lage. Fallen ihm die Regierungen in den Rücken, fehlt der Druck auf die Amerikaner. Stimmen sie den Strafzöllen zu, könnte das die USA zum Gegenschlag ermutigen - in der Hoffnung, dass Europa dann spätestens beim nächsten Zug einknickt. Das aber würde in eine handelspolitische Rüstungsspirale führen.

Noch aber hofft der Kommissar, dass sein Zug die erwünschte Abschreckung und die USA zum Einlenken bringt - frei nach dem Motto des langjährigen Weltmeisters Garri Kasparow: "Schach ist die Sprache der reinen Vernunft und deshalb international."