Die Kriegserklärung an die westliche Welt erging am 23. Februar 1998: "Der Befehl, Amerikaner und ihre Verbündeten zu töten - Zivilisten wie Militärangehörige -, ist eine individuelle Pflicht für jeden Muslim in jedem Land, in dem dies möglich ist." Diese Fatwa, unterzeichnet unter anderem von Osama bin Laden, hat als Absender die Organisation Dschihad gegen Juden und Kreuzritter - eine Koalition von sechs großen Terrorgruppen aus Afghanistan, Algerien, Bangladesch, Pakistan und Kaschmir. Ein internationaler Bund für den Heiligen Krieg hatte sich zusammengefunden, unter dem Dach des Mudschaheddin-Netzwerks al-Qaida ("Die Basis").

Der amerikanische Terrorismusforscher Yonah Alexander schätzt, dass bin Ladens Terrorarmee zwischen 3000 und 5000 Kämpfer stark ist. Etwa ein Drittel von ihnen sollen Veteranen aus dem Afghanistankrieg sein, in dem die Mudschaheddin 1989 die Truppen der Sowjetunion besiegten. "Die wichtigste Erfahrung, die wir Muslime im Afghanistankrieg gemacht haben, bestand darin, dass wir eine Weltmacht zu Fall bringen konnten", sagte bin Laden 1997 dem CNN-Reporter Peter Arnett. Der Saudi bin Laden hatte seit Mitte der achtziger Jahre mitgeholfen, Muslime aus aller Welt in paramilitärischen Trainingslagern ausbilden zu lassen. Sie kamen zu Tausenden aus Ägypten, Algerien, Saudi-Arabien, Pakistan, aber auch aus den Vereinigten Staaten oder Großbritannien. Nach dem Sieg gegen die Sowjetunion gerieten die Vereinigten Staaten ins Visier als "Besatzer der heiligen Stätten", "Demütiger der Araber" und "Diener des Judenstaates", wie es in Erklärungen der Krieger heißt.

Im November vergangenen Jahres bezifferte der Präsident des Bundeskriminalamts, Ulrich Kersten, die Truppenstärke der weltweit operierenden Terrororganisation. In den Mudschaheddin-Lagern in Afghanistan und anderen Ländern seien bis dato "mindestens 70 000 Kämpfer aus mehr als 50 Staaten ausgebildet worden". Der Terrorexperte Berndt Georg Thamm, der gerade an einem Buch über al-Qaida arbeitet, berichtet, die Ausbildung sei in drei Stufen unterteilt: "Am Anfang wird das Rüstzeug für low intensity warfare, also Guerillakriegsführung vermittelt. Dann gibt es eine Mudschaheddin-Ausbildung an schwereren Waffen. Drittens gibt es die Ausbildung zu Terrorkämpfern - Special Forces, wenn man so will, die später selbst wieder Leute schulen."

Neben Afghanistan und Pakistan unterhielt bin Laden von 1991 an auch Ausbildungslager im Sudan. Davon soll es nach Angaben des britischen Fachblatts Jane's Defense Review aus dem Jahr 1998 zwischen 10 und 30 geben.

Aus den Basisregionen Afghanistan, Pakistan und Sudan zerstreuten sich die Gotteskrieger nach ihrer Ausbildung in die ganze Welt - als non-aligned Mujahedin (nicht gebundene Mudschaheddin) oder teilten sich als aligned Mujahedin (gebundene Mudschaheddin) in andere Terrorgruppen auf.

Terrorexperte Alexander nennt 55 Staaten, in denen ausgebildete Terrorkämpfer in islamistischen Gruppen organisiert sein sollen.

Die ungebundenen Mudschaheddin sollen über den Balkan vor allem nach Europa eingereist sein, unter anderem nach Albanien, Bosnien, Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland, Belgien und Großbritannien. Diese Zellen entscheiden autonom über ihre Anschlagsziele, also, wie das Bundesamt für Verfassungsschutz formuliert, "ohne Rücksprache an entscheidender Stelle".